Adam Grants Originals: Wie Sie zum erfolgreichen Ideengeber werden

Freitag, 01. September 2017

Adam Grants Originals:
Wie Sie zum erfolgreichen Ideengeber werden

English version of this article

Der zweite Teil unserer Blog-Reihe rund um die spannenden Erkenntnisse von Adam Grant beschäftigt sich mit dem Thema Ideenfindung: In seinem Buch „Originals. How Non-Comformists Move the World“ geht der US-amerikanische Organisationspsychologe der Frage auf den Grund, wie die wirklich originellen und erfolgreichen Ideen unserer Zeit entstehen. Dafür hat Grant echte Originale studiert: Menschen, die unangepasst sind und nicht nur große Ideen haben, sondern vor allem auch den Mut, diese in die Tat umzusetzen. Kurz: die Treiber von Kreativität und Wandel, auf die man als Investor oder Arbeitgeber setzen sollte. Welche Gewohnheiten diese „Originals“ auszeichnen? Es sind tatsächlich nur drei wesentliche Punkte.

1. Besser aufschieben als direkt anpacken

Als eine von Grants Studentinnen behauptete, sie habe oft die kreativsten Ideen, wenn Sie eine Aufgabe erst einmal aufschiebe, war seine Neugier geweckt: Er ließ sie Mitarbeiter in verschiedenen Unternehmen befragen, wie oft sie etwas aufschieben – anschließend sollten deren Vorgesetzte beurteilen, wie kreativ und innovativ die jeweiligen Arbeitsergebnisse seien. Die überraschende Erkenntnis: Tatsächlich wurden Anschieber (precrastinators), die alles schnell erledigten, weniger kreativ eingeschätzt als gemäßigte (nicht chronische!) Aufschieber (procrastinators).

Lesen cutEinige weitere Experimente bestätigten dies schnell: Das Aufschieben einer Aufgabe ermögliche es uns anscheinend, diese aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, nicht-linear zu denken und unerwartete Ideen zu entwickeln, so Grant – beste Beispiele hierfür seien „Originals“ wie Leonardo Da Vinci, der mehr als 16 Jahre an der Mona Lisa arbeitete, oder Martin Luther King Jr., der bis zur letzten Minute an seiner berühmten Rede „I have a Dream“ feilte. „Aufschieberei ist ein Laster, wenn es um Produktivität geht, aber in Bezug auf Kreativität kann sie eine Tugend sein.“

Diese Theorie kann man laut Grant auch auf Unternehmensgründungen übertragen: Der vielbesagte Erstanbietervorteil stellt sich allzu oft als falsch heraus, da Folgeanbieter die Chance haben, die Produktidee weiter zu verbessern. Solche „aufgeschobenen“ Unternehmensgründungen sind dann erfolgreicher als die Pioniere auf ihrem Themengebiet. Als Beispiele nennt Grant Facebook und MySpace oder Google und Yahoo. Kurz: Um originell zu sein, müsse man nicht der erste sein, sondern nur anders und besser.

2. Immer einen Plan B haben

Auch für „Originals“ sind Angst und Unsicherheit keine Unbekannten: Selbst wenn sie auf den ersten Blick sehr selbstbewusst scheinen, sind sie meist nicht von Beginn an von ihrer Idee überzeugt. Doch es gibt laut Grant zwei Arten des Zweifels: Selbstzweifel und Zweifel an der Idee. „Der Selbstzweifel lähmt. Er bringt uns zum Erstarren. Zweifel an der Idee sind anregend. Sie spornen zum Testen, Experimentieren, Verfeinern an“, führt er aus.

Somit ist es nur legitim, den ersten Entwurf von etwas grundsätzlich anzuzweifeln und verbessern zu wollen – und somit auch, einen Plan B in der Hinterhand zu haben, der einem die nötige Sicherheit dafür gibt. Denn anstatt sich mit dem Standard zufrieden zu geben, eröffnet ein neuer Blickwinkel auf ein Projekt oft ganz neue Ideen und Möglichkeiten, deren Umsetzung es zu überprüfen gilt.

3. Keine Angst vor schlechten Ideen

Am wichtigsten ist es aber laut Grant, auch Misserfolge willkommen zu heißen, denn es braucht oft viele schlechte Ideen, um ein paar gute zu bekommen: „Die originellsten Ideen haben oft jene, die am häufigsten scheitern, denn sie probieren am meisten aus.“ Als Beispiel nennt er die berühmten Komponisten Bach, Beethoven und Mozart, die alle hunderte von Kompositionen erstellen mussten, um wenige Meisterwerke zu schaffen: „Wenn mehr produziert wird, ist die Auswahl größer und die Chance steigt, dass etwas Originelles darunter ist.“

Man sollte also keine Angst haben, sich mit einer Idee zu blamieren oder als dumm dazustehen: „Schlussendlich bereut man bekanntlich nicht, was man getan hat, sondern was man nicht getan hat“, fasst Grant zusammen.

Was wir von den „Originals“ lernen können

goldfish jumping cutAlles in allem sind Originale also gar nicht so anders als wir: Sie schieben Dinge auf, kennen Ängste und Zweifel und haben auch schlechte Ideen. „Doch ihr Erfolg kommt manchmal nicht trotz dieser Eigenschaften, sondern gerade deswegen. Schreiben Sie diese Leute nicht ab“, mahnt Grant. Auch bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter lohnt es sich, diese Charakteristika im Hinterkopf zu behalten: Jemand, der auf den ersten Blick unstrukturiert und unsicher erscheint, ist auf den zweiten vielleicht kreativ und selbstreflektiert.

Natürlich schadet es auch nicht, sich ein paar der Gewohnheiten der „Originals“ abzuschauen:

  • Lassen Sie sich bei der Vollendung schwieriger Tasks Zeit – das kann Ihre Kreativität steigern!
  • Zweifel an einer Idee können auch motivieren – es ist nicht verwerflich, einen Plan B in der Hinterhand zu haben!
  • Viele schlechte Ideen sind notwendig, um einige gute zu entwickeln - geben Sie nicht vorschnell auf!


Hier können Sie sich Adam Grants Ausführungen im eindrucksvollen TED-Talk ansehen:

 


Für weitere spannende Denkimpulse empfehlen wir, Adam Grant auf Facebook, LinkedIn oder Twitter zu folgen – und den SOLYP-Strategie-Blog zu abonnieren, auf dem wir Ihnen bis zum Ende des Jahres Grants weitere Erkenntnisse vorstellen.

Lesen Sie auch den ersten Teil unserer Blog-Reihe: „Wer gibt, gewinnt: A Tribute to Adam Grant“.