Adam Grant: Wer gibt, gewinnt

Donnerstag, 13. April 2017

Wer gibt, gewinnt:
A Tribute to Adam Grant

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Es ist kein großes Geheimnis: Um den Anschluss im Job nicht zu verlieren, sollte man sich mit frischen Ideen auseinanderzusetzen und auch ungewöhnlichen Denkansätzen eine Chance geben. Darum haben wir uns dazu entschieden, ab sofort regelmäßig eine inspirierende Persönlichkeit vorzustellen, deren Gedanken und Theorien wir mit der SOLYP-Blog-Community teilen möchten. Für 2017 haben wir den Organisationspsychologen Adam Grant gewählt, der mit seinen überraschenden Befunden zum Arbeitsleben regelmäßig für Aufsehen sorgt – und dessen Philosophie auch hervorragend zum neuen  Weg von SOLYP passt.

Im ersten Teil unserer Blog-Reihe beschäftigen wir uns mit einer von Grants elementarsten Theorien: In seinem Buch „Give and Take. Why Helping Others Drives Our Success“ geht es um die Macht des Gebens. Bevor es 2013 erschien, hatte Grant mehr als sieben Jahre lang Hinweise auf einen Wandel in der Arbeitswelt gesammelt und ausgewertet. Sein Ergebnis stellte die bisherigen Vorstellungen der meisten Manager von Erfolg und Karriere auf den Kopf: Altruisten sind laut Grant im Beruf erfolgreicher. Oder anders gesagt: Wer an andere denkt, kommt weiter. Hier der dazugehörige TED-Talk:

 

Grant teilt Persönlichkeiten in seinem Buch in drei Gruppen ein: Nehmende (Taker), Vergleichende (Matcher) und Gebende (Giver), und beschreibt, wie sich die verschiedenen Verhaltensmuster anscheinend auf den beruflichen Werdegang auswirken: Ganz unten auf der Karriereleiter stehen überwiegend Gebende, bei denen die Gefahr groß zu sein scheint, dass sie sich ausnutzen lassen. Im Mittelfeld trifft man vor allem nehmende und vergleichende Persönlichkeiten an. Die Spitze der Karriereleiter hingegen wird wieder von Gebenden dominiert – wer altruistisch handelt, hat offenbar größere Erfolgschancen.

Der Grund: Gebende versuchen immer ihren Mitmenschen zu helfen, auch wenn daraus kein unmittelbarer Nutzen für sie entsteht. So bauen sie mit der Zeit ein großes Netzwerk an Personen mit unterschiedlichsten Interessen und (beruflichen) Hintergründen auf, die sie schätzen und respektieren. Diese Kontakte kommen auf lange Sicht den Gebern im Berufsleben zugute: Empfehlungen und Kontakte sind viel wert, wenn es um verantwortungsvolle Positionen in Unternehmen geht. Das Zeitalter der Digitalisierung scheint diesen Vorteil der Geber noch zu verstärken: Soziale Netzwerke wie Facebook oder LinkedIn erleichtern den Aufbau und Pflege von Netzwerken und können laut Grant als Hauptgrund dafür gesehen werden, warum die Gebenden ausgerechnet heute erfolgreicher werden.

Doch warum sind dann die unten auf der Karriereleiter angesiedelten Positionen auch hauptsächlich mit Gebenden besetzt? Grant gibt zu: Wer ständig jedem gerecht werden will, ist womöglich am Ende seiner Kräfte, bevor er von seinem Netzwerk profitieren kann. Das Geheimnis der erfolgreichen Gebenden liege in der optimalen Kombination von Fremd- und Eigeninteresse: Sie geben zwischenzeitlich weniger (Grant empfiehlt sogenannte Five-Minute-Favors), um ihre eigenen Aufgaben gerecht zu werden – sozusagen zum Selbstschutz.

Give BlogEin wesentlicher Erfolgsfaktor der Giver ist laut Grant ihre große Empathie, die die Zusammenarbeit mit ihnen ungemein vereinfacht: Gebende versetzen sich in Ihren Gegenüber hinein und möchten, dass er sich wohl fühlt. Das Ergebnis: ein angenehmes Miteinander und fruchtbare Geschäftsbeziehungen. Und auch ihre Art zu verhandeln macht Gebende zu besonders wertvollen Mitarbeitern: Während Nehmende selbstsicher auftreten und vor allem ihre eigenen Interessen durchsetzen wollen, sprechen Gebende laut Grant auch die eigenen Schwächen offen an. Ihr Ziel: Das Ergebnis soll alle Beteiligten zufriedenstellen. Auf den ersten Blick mag das ihre Verhandlungsposition schwächen – ihr Ruf als verlässlicher, ehrlicher Geschäftspartner wird jedoch gestärkt. Studien belegen sogar, dass Gebende bei Verhandlungen so keine schlechteren Ergebnisse erzielen wie Vergleichende und Nehmende. Grant begründet dies folgendermaßen: Erfolgreiche Giver sind in Verhandlungen motiviert, das bestmögliche Ergebnis für ein höheres Ziel zu erzielen, und haben nicht die eigenen Vorteile im Blick – sie können aber genauso hart verhandeln, um dies zu erreichen. Der Unterschied: Ihre Geschäftskontakte sind zusätzlich langfristiger.

Dass sich Gebende besonders gut für Führungspositionen eignen, erklärt Grant damit, dass diese oft ein gewisses Grundvertrauen in die Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter haben, das sich im Sinne einer „self fulfilling prophecy“ meist auch bestätigt. „Gebende (…) vertrauen von vornherein in die Fähigkeiten anderer und neigen dazu, Potenzial in jedem zu sehen“, schreibt Grant. Ein Team werde so allein schon durch diesen Glauben in sein Können befördert und zu neuen Höchstleistungen motiviert.

Was wir von Grants Theorie für unseren Arbeitsalltag mitnehmen können, sind drei klare Handlungsempfehlungen, die sich auch in der SOLYP-Firmenkultur widerspiegeln:

  • Fördern Sie Gebende in Ihrem Unternehmen und bremsen Sie Nehmende gezielt aus – für eine produktive Arbeitsumgebung, in der Teamwork großgeschrieben wird.
  • Etablieren Sie eine Kultur des Helfens, in der es weder verpönt ist, nach Hilfe zu fragen, noch diese anzubieten.
  • Handeln Sie selbst öfter einmal altruistisch und helfen Sie anderen, ohne Ihren eigenen Vorteil im Blick zu haben – es wird sich langfristig auszahlen! Dabei sind allerdings Ihre Motive entscheidend: Blender (Faker-Taker nach Grant), die nur ein Giver werden möchten, um ihre eigenen Ziele zu erreichen, werden laut Grant auf Dauer damit wahrscheinlich nicht erfolgreich sein.


Für weitere spannende Denkimpulse und überraschende Studienergebnisse lohnt es sich in jedem Fall, Adam Grant auf Facebook, LinkedIn oder Twitter zu folgen – und den SOLYP-Strategie-Blog zu abonnieren, auf dem wir Ihnen in den kommenden Monaten weitere spannende Erkenntnisse von Grant vorstellen werden.