Strategieentwicklung und Controlling in der Arbeitswelt 4.0: Bleiben Sie agil!

Freitag, 25. Mai 2018

Ein Gastbeitrag von Dominic Lindner
 

Die Arbeitswelt von heute stellt neue Anforderungen an Unternehmen – so haben beispielsweise Kunden oft deutlich komplexere Anforderungen als noch vor einigen Jahren. Auch besteht die Erwartungshaltung, dass diese am besten rund um die Uhr bearbeitet werden sollen. Um diesen neuen Herausforderungen zu begegnen, befinden sich viele Unternehmen aktuell in der Schaffung agiler Arbeitsräume und erhöhen die Teamautonomie.

Jahrelang waren Manager angehalten, sehr genau mithilfe von KPI’s und umfangreichen Exceltabellen die Effizienz von Projekten und Mitarbeitern zu verfolgen. So wurde viel Zeit in die Erstellung von Berichten und Analysen für die Geschäftsleitung investiert. Allerdings ist dies Art des Controllings in einer agilen Arbeitswelt weitgehend nicht mehr zielführend – das fordert sowohl von Managern als auch von Controllern ein Umdenken. Doch welche Empfehlungen gibt es für Manager, um in ihren Teams agilen Arbeitsräumen den nötigen Freiraum zu geben und trotzdem die Kontrolle zu behalten?

Agiles Management mithilfe von Visionen


agility grIn einer agilen Arbeitswelt wird Managern empfohlen, in erster Linie mit Visionen zu arbeiten. Das bedeutet, dass Sie eine ansprechende und zum Mitdenken anregende Vision formulieren sollten. Ein Beispiel: Wir wollen mit hochwertiger Beratung die Automotive Branche gestalten oder Wir wollen mit Leidenschaft die IT-Landschaft von morgen gestalten. Vision eins wäre wohl eher für ein Consultingunternehmen, während Vision zwei einen IT-Dienstleister darstellen könnte. Nun geht es für Sie als Manager darum, dass Sie diese Vision vorleben und Mitarbeiter dazu inspirieren, diese mit Leben zu füllen. Natürlich werden Sie speziell zu Anfang hören, dass Ihre Vision recht unkonkret sei und einige Mitarbeiter damit nichts anfangen können. Wichtig ist, dass Sie durchhalten und den Mitarbeitern konstant Ideen und Motivation vermitteln, diese Vision in konkrete Ziele für ihre tägliche Arbeit umzuwandeln.

Agiles Controlling mit OKRs


Als nächsten Schritt sollten Sie diese Vision auch überwachen und verfolgen – also nachvollziehen, wie diese umgesetzt wird. Doch wie kann eine Vision sinnvoll in Zahlen und Boards gefasst werden? Ein Ansatz dazu sind Objective and Key Results (OKRs) – ich glaube, dass diese OKRs eine modifizierte Version von Peters Druckers „Management bei Objectives“ sind. Die Idee hinter dieser Methode ist, dass Sie im ersten Schritt ihre Vision auf konkrete Ziele herunterbrechen und diesen ein Schlüsselereignis zuweisen, welches messbar ist. Um das nötige Kommittent mit den Teams zu erlangen, sollten Sie diese Ziele individuell verhandeln. Wichtig ist: Sie setzen das Ziel recht unerreichbar und messen nur den Zielerreichungsgrad. Es wird also nicht bestraft, wenn ein Team ein Ziel nicht erreicht, sondern es wird das bereits erreichte visualisiert.

Umsetzungsbeispiel in autonomen Teams


Die Umsetzung der OKRs ist bisher noch recht abstrakt beschrieben und kaum greifbar – zur Verdeutlichung habe ich in der folgenden Grafik OKRs für ein fiktives Consultingunternehmen erstellt, welches sich auf die Beratung der Automobilbranche fokussiert hat und über ein Human Ressources-Team sowie ein Management- und ein IT-Consultingteam verfügt.
Fiktives Unternehmen gr
In diesem Beispiel hat sich also die Geschäftsleitung überlegt, dass die Automotive Branche „gestaltet“ werden soll. Gemeinsam mit den drei Teams wurden Ziele verhandelt. So soll beispielsweise HR die besten Berater einstellen. Dazu werden Schlüsselereignisse wie die Einstellung von Senior Consultants als auch die Entwicklung bestehender Berater angestrebt.

Schlüsselereignisse im Sprint angehen


Schluessel grWichtig ist, dass bei den Schlüsselereignissen gilt, dass diese nicht erreicht werden müssen. Es soll sich vorgenommen werden, diese bestmöglich zu erreichen. Dies ist ähnlich zu den Sprints in Scrum. Sollten die Ziele nicht erreicht werden, wird das Team trotzdem für das erreichte belohnt und die Schätzung für das folgende Jahr angepasst. Es geht bei OKRs darum, dass die Zielerreichung visualisiert wird. So bleibt das Team dauerhaft motiviert und Sie können trotzdem eine Art Controlling etablieren.

Ich hoffe, Ihnen mit diesem Beispiel einen Impuls für eine agile Strategieentwicklung mitsamt Controlling gegeben zu haben. Ich bin mir sicher, dass Sie einige Elemente daraus bereits verwenden und empfehle meinen Artikel als eine Ergänzung für Ihre nächste Strategieentwicklung zu sehen.



Über den Autor

Dominic Lindner grMSc. Dominic Lindner ist Doktorand am Institut für IT-Management (WI3) der Universität Erlangen-Nürnberg und Agile Coach in einem IT-Unternehmen in der Metropolregion Nürnberg. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Führung und Arbeit in KMUs im Kontext des digitalen Wandels. Seine Forschungsergebnisse fasst er regelmäßig in seinem eigenen Blog zusammen: https://agile-unternehmen.de.