Deloitte Studie: Strategisches Supply Chain Management gewinnt an Bedeutung

Montag, 14. Juli 2014

Naturkatastrophen, Bürgerkriege, Terroranschläge, plötzliche Marktverschiebungen, Streiks, Gesetzesänderungen, Insolvenzen von Partnern und Zulieferern—disruptive Ereignisse und unerwartete Veränderungen dieser Art häufen sich in immer kürzer werdenden Abständen und stellen Unternehmen in Bezug auf ihre Supply Chains vor große Herausforderungen. Bisherige Managementansätze, die in erster Linie auf Kostenoptimierung und reaktives Mitigieren von Risiken gesetzt haben, werden daher in Zukunft nicht mehr ausreichen, um einen reibungslosen Materialfluss von den Zulieferern bis zum Kunden gewährleisten zu können, so die Autoren einer aktuellen Deloitte Studie zum Thema. Worauf es zunehmend ankommen wird, sind sie überzeugt, ist vielmehr ein vorausschauendes, proaktives Handeln. „Heute […] bilden führende globale Unternehmen robuste Versorgungsnetzwerke, um Schocks nicht nur standhalten, sondern um diese vorhersehen zu können.“

Die Autoren bezeichnen diesen neuen Trend als „vorausschauende Supply Chain“ („anticipatory supply chain“) und machen für deren Ausgestaltung vier wesentliche Erfolgsfaktoren aus:

  • Advanced Analytics
    Effiziente Unternehmen werden sich modernste Advanced Analytics Tools zunutze machen, um Nachfragetrends und Aktivitäten innerhalb komplexer Supply Chains besser vorhersagen und verstehen zu können. Solche Werkzeuge ermöglichen insbesondere die Analyse großer Datenmengen in Echtzeit, einen zentralen Zugriff für alle Stakeholder im Unternehmen sowie den Austausch von Informationen zwischen den einzelnen Supply Chain Partnern. Auf diese Weise lassen sich schnell fundierte Entscheidungen treffen.

  • Eine engere Verknüpfung mit der Unternehmensstrategie
    Aufgrund ihrer Fokussierung auf mögliche Risiken sollte die Wertschöpfungskette bereits im Rahmen der Strategieformulierung verstärkt Berücksichtigung finden, und nicht, wie in der Vergangenheit häufig praktiziert, erst in der Phase der Strategieumsetzung. „Führende Supply Chain Unternehmen erkennen die kritische Verbindung zwischen der Wertschöpfungskette und Strategie an; weniger erfolgreiche Unternehmen konzentrieren sich mehr darauf, wie die Supply Chain zur operativen Performance beiträgt“, so die Autoren.

  • Neue Führungstypen und Talente
    Eine wahrscheinliche Folge dieser Entwicklung ist, dass in vielen Unternehmen neue Arten von Führungstypen und Talenten benötigen werden. Hervorragendes branchen- und unternehmensspezifisches Wissen und das Mentoring von Nachwuchskräften in den althergebrachten Vorgehensweisen" allein werden künftig nicht mehr genügen. Die Supply Chain Manager von morgen müssen vielmehr globale Erfahrung mit kreativen Problemlösungs- und Analysefähigkeiten verbinden. Sie müssen „wahre Innovatoren aber auch disziplinierte Operatoren sein“. Viele Unternehmen beginnen bereits, Supply Chain Manager mit entsprechend mehr Autorität und Verantwortung auszustatten.

  • Regionalisierung
    Ein weiterer wichtiger Erfolgsfaktor, um Supply Chains „wendiger und anpassungsfähiger“ zu machen, argumentieren die Autoren, ist die Abkehr weg von globalen Supply Chain Netzwerken hin zu lokalen Netzwerken in der Nähe von Hauptabsatzmärkten („Near-Shoring“). Treiber für diese Entwicklung sind insbesondere die gestiegenen Lohnkosten und die stark wachsende Binnennachfrage in China und anderen ehemaligen Niedriglohnländern, aber auch die Erkenntnis vieler Unternehmen, dass eine größere geografische Nähe eine bessere strategische Zusammenarbeit mit den Partnern ermöglicht.


Der jahrzehntelange Fokus auf Kostenoptimierung hatte zur Folge, dass Supply Chains „zu schlank und zerbrechlich“ geworden sind. Die Zeit der „linearen Supply Chains“ ist nun endgültig vorbei, lautet das klare Urteil der Autoren der Studie. Erfolgreiche Unternehmen setzen stattdessen schon heute auf umfassende und belastbare Netzwerke und sehen diese „als Kern ihrer Unternehmensstrategien“ an. Die zielgerichtete Zusammenarbeit führt dabei nicht nur zu einer besseren Performance, sondern erleichtert auch die frühzeitige Identifizierung von möglichen Risiken und Fehlentwicklungen erheblich.

 



Literatur

Marchese, K. & Lam, B. (2014). Anticipatory supply chains. In: Business Trends 2014: Navigating the next wave of globalization. Deloitte University Press. http://dupress.com/articles/bus-trends-2014-anticipatory-supply-chains