Der Konkurrenz immer einen Schritt voraus dank "Business Wargaming"!

Montag, 16. April 2012

Wie der Name unschwer vermuten lässt, kommt Wargaming ursprünglich aus dem Militärwesen. Seit einigen Jahren erfreut es sich jedoch auch in der Unternehmenswelt zunehmender Beliebtheit. Und dies sicherlich nicht nur aufgrund seines im Vergleich zu traditionellen Strategiemethoden zugegebenermaßen hohen Unterhaltungswertes. Business Wargaming ist vielmehr ein wertvolles Entscheidungsfindungstool, das Unternehmen handfeste Wettbewerbsvorteile verschaffen kann.


Was ist Business Wargaming?

Beim Business Wargaming werden dynamischen Geschäftssituationen durch Rollenspiele simuliert (Kurtz, 2003). Ziel ist es, wahrscheinliche Reaktionen von Wettbewerbern und anderen Stakeholdern auf veränderte Marktbedingungen vorherzusagen und in die eigene Strategieentwicklung einzubeziehen. In ihrem Artikel Business Wargaming als Waffe des modernen CEO schreiben Daniel F. Oriesek und Jan Oliver Schwarz (2009a):


"Durch die Teilnehmer und ihre Aktionen bzw. Reaktionen bezieht Business Wargaming die menschliche Dynamik in die Evaluation von Strategien mit ein, was mit sterilen Prüfungs-Szenarien nicht möglich ist. Was daraus resultiert ist eine interaktive Erfahrung, die sich sehr nahe an der Realität bewegt und es erlaubt, Strategien in einem 'sicheren Umfeld' zu testen."


Wargames bedürfen also menschlicher Spieler, können aber durchaus computerunterstützt sein. Die Methode ist besonders hilfreich in Branchen, die sehr wettbewerbsintensiv sind und raschen, schwer vorhersehbaren Veränderungsprozessen unterliegen.


Wie ist der Ablauf eines Business Wargames?

In einem Business Wargame werden die Führungskräfte eines Unternehmens auf verschiedene Teams aufgeteilt, die jeweils einen Stakeholder repräsentieren. Ein Team spielt das eigene Unternehmen, andere nehmen die Rolle ausgewählter Konkurrenten ein. Die Aufgabe dieser Teams besteht darin, ihre Strategien umzusetzen und ständig zu verfeinern, um möglichst hohe Marktanteile und Gewinne zu erzielen. Sie treten in einen intensiven Wettbewerb miteinander und können alles tun, was auch im realen Wirtschaftsleben möglich ist, von der Einführung neuer Produkte bis hin zu feindlichen Übernahmen. Alle Tricks sind erlaubt. Gleichzeitig müssen sie sich immer wieder auf  Veränderungen einstellen, wie etwa verändertes Konsumverhalten der Kunden, schwankende Rohstoffpreise, Angebote von Konkurrenten oder Eingriffe in den Markt durch Regulierungsbehörden (Oriesek & Schwarz, 2009b).

Des Weiteren gibt es ein Markt- und ein Kontrollteam. Das Marktteam spiegelt die Reaktionen der Kunden wider. Es vergleicht und bewertet die Strategien und Angebote der Firmenteams und spricht ihnen Marktanteile zu. Es stellt sozusagen eine "Fokusgruppe" dar und setzt sich in der Regel aus internen und/oder externen Marktexperten zusammen. Das Kontrollteam übernimmt die Rolle alle anderen Kräfte, die den Markt beeinflussen (z.B. Zulieferer, Regulierungsbehörden und kleinere Konkurrenten). Es leitet das Spiel und verhindert unrealistische Strategien und Angebote. Außerdem kann es bei Bedarf jederzeit neue Herausforderungen und Überraschungen in die Simulation einstreuen (Oriesek & Schwarz, 2009b).

Gespielt wird in der Regel über mehrere Runden, die jeweils einer bestimmten Phase im strategischen Planungszyklus entsprechen, so dass die einzelnen Teams auf die Strategien der gegnerischen Teams reagieren können. War Games können einen oder mehrere Tage dauern und verlangen viel Einsatz von den Teilnehmern ab. Nach Spielende werden die Erfahrungen und möglichen Lerninhalte im Rahmen eines "After-Action Reviews" zusammengefasst und diskutiert. Die Lerninhalte bilden schließlich die Basis für die Optimierung der Unternehmensstrategie. Business Wargames werden häufig mit Unterstützung von Unternehmensberatern durchgeführt.


Vorteile des Business Wargaming

Der entscheidende Vorteil des Business Wargaming gegenüber traditionellen Szenariotechniken ist seine Dynamik. Durch die soziale Interaktion der Teilnehmer entsteht neues Wissen (Fuller & Loogma, zitiert nach Oriesek & Schwarz, 2009b). Indem sie in die Rolle ihrer Konkurrenten schlüpfen, können Unternehmen nicht nur das Verhalten anderer Wettbewerber besser verstehen und deren Handlungen zuverlässiger vorhersagen, sondern erfahren auch wertvolle Einsichten über die eigenen Stärken und Schwächen und die Erfolgssausichten ihrer Strategien. Teamrollenspiele ermutigen die Teilnehmer, ihrer subjektiven Vorstellungen, ihre Eigenwahrnehmung und kulturelle Aspekte kritisch zu hinterfragen, und können zum Bruch mit firmeninternen Konventionen und Tabus führen (Kurtz, 2003; Outward Insights, 2011). Dadurch dass Situationen aus allen erdenklichen Blickwinkeln durchleuchtet werden, kann das Unternehmen zudem Chancen und Risiken identifizieren, die bei einem "Inside-Out-Ansatz" nicht offensichtlich geworden wären (Krutz, 2003). Dadurch können Unsicherheiten in der strategischen Planung reduziert und kostspielige Fehler bei der Umsetzung von Strategien vermieden werden.

 


 

Literatur

Kurtz, J. (2003). Business wargaming: Simulations guide crucial strategy decisions. Strategy & Leadership, 31(6), 12 – 21.

Oriesek, D.F., & Schwarz, J. O. (2009a). Business Wargaming als Waffe des modernen CEO. Esprit Business Review Consulting, 1( 2009), 6-7. http://www.espritsg.ch/files/upload//PDFFinal09.pdf

(abgerufen am 17.04.2012)

Oriesek, D.F., & Schwarz, J. O. (2009b). Business Wargaming: Securing Corporate Value. Burlington, VT: Gower Publishing.

Outward Insights (4. Feb. 2011). Challenging corporate taboos through war-gaming. http://outwardinsights.wordpress.com/2011/02/04/challenging-corporate-taboos-through-war-gaming/ (abgerufen am 17.04.2012)

Treat, J.E., Thebault, G.E., & Asin, A. (1996). Dynamic Competitive Simulation: Wargaming as a Strategic Tool. Strategy & Leadership, Second Quarter 1996, Issue 1. http://www.strategy-business.com/article/15052?gko=4d4c8