Entscheidungsfindung in der strategischen Planung – Ein Webinar Nachbericht

Dienstag, 26. Februar 2013

In der strategischen Planung werden weitreichende Entscheidungen getroffen, die für den künftigen Erfolg eines Unternehmens von zentraler Bedeutung sind. Welche Ziele setzen wir uns? Und wie wollen wir diese erreichen? Entscheidungen dieser Größenordnung sollten sorgfältig durchdacht und nicht übereilt getroffen werden. Dies gilt um so mehr in Zeiten hoher wirtschaftlicher Unsicherheit, in denen die Konsequenzen von Entscheidungen nicht immer gleich offenkundig sind.

In dem Webinar „Expedition ins Neuland – Entscheidungen treffen und handeln“, das wir am 22. Februar gemeinsam mit orange, green & water veranstaltet haben, sind wir den Fragen nachgegangen, wie Unternehmen Entscheidungen treffen und wie Entscheidungsfindung prozess- und softwareseitig unterstützt werden kann. Als Referenten standen diesmal zur Verfügung Prof. Dr. Peter Witt vom Lehrstuhl für Technologie- und Innovationsmanagement Schumpeter School of Business and Economics, Carsten Sambraus, Managing Partner der orange, green & water GmbH, und Alexander Zimmermann, CEO und Partner der SOLYP Informatik GmbH.  


Menschen und ihre Entscheidungen

Basierend auf seiner langjährigen praxisnahen Forschungstätigkeit lieferte Prof. Dr. Peter Witt den Webinar-Teilnehmern zunächst eine gelungene Einführung zum Thema, wie Menschen Entscheidungen bei Unsicherheit treffen. Er wies darauf hin, dass zwischen verschiedenen Arten von Unsicherheit unterschieden werden muss:

  • Ungewissheit: Die zukünftig möglichen Konsequenzen einer Entscheidung sind nicht bekannt.
  • Unsicherheit i.e.S.: Die zukünftig möglichen Konsequenzen einer Entscheidung sind bekannt, nicht aber deren Wahrscheinlichkeiten.
  • Risiko: Die zukünftig möglichen Konsequenzen einer Entscheidung und deren Wahrscheinlichkeiten sind bekannt.

Wie mit Unsicherheit umgegangen wird, hängt in erster Linie von der Risikobereitschaft des Einzelnen ab. Diese kann von totaler Risikoaversion bis hin zu totaler Risikofreude reichen. Empirische Untersuchungen zeigen, dass Manager bezüglich ihres Risikoverhaltens vier Typen zuordnet werden können:

  • Diejenigen, die sofort entscheiden,
  • Diejenigen, die später entscheiden, um Zeit zu gewinnen,
  • Diejenigen, die zunächst Informationen sammeln, um bessere Entscheidungen treffen zu können, und
  • Diejenigen, die nach besseren Alternativen suchen, um möglichst großen Einfluss nehmen zu können.

Als geeignetes Instrument, um Risiken identifizieren, bewerten und managen zu können, hob Witt die Risikoanalyse hervor, die in der Unternehmenspraxis seit Jahren erfolgreich eingesetzt wird.

Besonders interessant war Witts Bemerkung, dass die kognitiven Fähigkeiten des Menschen, seine unsichere und komplexe Umwelt vollständig zu erfassen, naturgemäß begrenzt seien. Er führte weiter aus, dass Menschen:

  • generell Schwierigkeiten haben, Wahrscheinlichkeiten einzuschätzen,
  • dazu tendieren, den eigenen Einfluss auf die Situation zu überschätzen,
  • beim Entscheiden zu wenig Informationen erheben und dazu neigen, Informationen, die ihre Position untermauern, überzubewerten,
  • nur wenige Alternativen genauer vergleichen (Bauchentscheidungen) und
  • an Entscheidungen auch dann festhalten, wenn sie sich nachträglich als falsch herausstellen (Phänomen der versunkenen Kosten).

Bei Gruppenentscheidungen stellt sich die Situation zwangsläufig noch komplizierter dar. Pfadabhängigkeit, die Dominanz von Extremmeinungen, Hierarchieeinfluss und das Schnüren von Abstimmungspaketen sind hier die größten Stolpersteine, um zu fundierten und ausgewogenen Entscheidungen zu gelangen. Unternehmen sollten sich dieser Herausforderungen bewusst sein und ihnen durch den Einsatz geeigneter Instrumente entgegensteuern.


Verbindliche Workflows für beste Entscheidungen

Wie sich die Qualität von strategischen Entscheidungen durch verbindliche Workflows verbessern lässt, war das Thema des Vortrages von Carsten Sambraus. „Ein klar strukturierter Ablauf von Arbeitsphasen und Entscheidungsphasen mit einheitlichen Bewertungskriterien hilft den Aufwand zu minimieren und schneller zwischen den möglichen Chancen auszuwählen“, so Sambraus. Dabei lassen sich vier Arbeitsphasen mit drei zwischengelagerten Entscheidungspunkten unterscheiden:

opportunitaeten

  • Phase 1: Basierend auf einer genauen Analyse des Unternehmensumfelds identifiziert und synthetisiert das Arbeitsteam valide Opportunitäten. Diese werden anschließend dem Entscheiderteam im „Gate“ vorgestellt. Die Aufgabe des Entscheiderteams ist es nun, diejenigen Opportunitäten auszuwählen, die weiter verfolgt werden sollen. 
  • Phase 2: Das Arbeitsteam formuliert Strategiealternativen, mit deren Hilfe die gesteckten Ziele erreicht werden sollen. Das Entscheiderteam wiederum wählt im Gate diejenigen Strategien aus, die weiter verfolgt werden sollen.
  • Phase 3: Das Arbeitsteam schätzt die Realisationskosten der ausgewählten Strategien ein und legt die Messkriterien für die Umsetzungssteuerung fest. Das Entscheiderteam wägt im Gate Kosten und Nutzen ab, verwirft gegebenenfalls Strategien oder korrigiert Erwartung und gibt Budgets frei.
  • Phase 4: Das Arbeitsteam setzt die Strategie im Rahmen des freigegebenen Budgets um. Im Nachgang prüft das Entscheiderteam den gemachten Fortschritt anhand der zuvor festgelegten Messkriterien.


Diese sequenzielle Vorgehensweise ermöglicht es Unternehmen, wichtige Chancen rasch und konsequent zu nutzen.


Verbesserte Entscheidungsfindung durch den Einsatz von Spezialsoftware

Zu guter Letzt zeigte Alexander Zimmermann den Webinar-Teilnehmer anhand der strategischen Planungssoftware SOLYP3, wie Entscheidungsprozesse in Unternehmen softwareseitig unterstützt werden können. Er knüpfte dabei an die Bemerkungen seiner Vorredner an, dass in Unternehmen wichtige Entscheidungen häufig nach Bauchgefühl getroffen werden. Als Hauptursache hierfür nannte er fehlendes oder unzureichendes Informationsmanagement.

Strategische Planungssoftware kann hier weiterhelfen, indem sie alle strategisch relevanten Daten und Informationen strukturiert erfasst und der Unternehmensführung zur Verfügung stellt. Auf diese Weise wird nicht nur die strategische Planung auf eine fundierte und gesicherte Entscheidungsgrundlage gestellt. Darüber hinaus werden Entscheidungen transparent und nachvollziehbar. Insbesondere bei schwierigen Entscheidungen von großer Reichweite fördert dies das Verständnis, die Akzeptanz und den Umsetzungswillen im Unternehmen.

Auch wenn Software uns leider keine Entscheidungen abnehmen kann, betonte Zimmermann, so kann sie doch als wertvolle Entscheidungshilfe dienen. Den vollständigen Vortrag von Alexander Zimmerman können Sie sich gerne auch auf Video anschauen:


Wir bedanken uns wie immer ganz herzlich bei den Referenten und Teilnehmern und freuen darauf, Sie in einem unserer nächsten Webinare erneut begrüßen zu dürfen!