Erfolgsfaktoren Strategischer Planung im Experten-Check, Teil 2

Dienstag, 28. April 2015

Kreativität per Knopfdruck - Wie IT-Prozesse den strategischen Ideenreichtum fördern


Ein Kommentar von Alexander Zimmermann,
CEO & Partner der SOLYP Informatik GmbH

Strategiearbeit ist hartes Zahlenwerk, sagen die Einen. Da werden unternehmerische Kennzahlen ins Feld geführt; da wird jedes Argument von Statistiken untermauert. Strategiearbeit ist ein Spiel mit der Zukunft, sagen die Anderen. Da eröffnen weiche Daten ungeahnte Perspektiven; da werden Szenarien in mancherlei Varianten entworfen. Vielleicht kennen Sie diese Einstellungen zum Strategieprozess aus Ihrem eigenen Unternehmen; vielleicht nicht als harte Kontroverse, aber als eine untergründig mitschwingende Einstellung der Strategieverantwortlichen.

Nachdem ich mich in meinem ersten Beitrag mit dem Spannungsfeld von Bottom-up- und Top-down-Planung beschäftigt habe, möchte ich mich heute zwei weiteren vermeintlichen Antagonisten im Strategischen Planungsprozess widmen: der frei flottierenden Kreativität auf der einen und dem IT-gestützten Prozess auf der anderen Seite. Eines scheint klar: Beide sind für eine erfolgreiche Strategie dringend notwendig. Doch wer wird diesen Kampf dominieren: das anarchische Momentum der Fantasie oder die Standardisierung zwischen 0 und 1?


Ideen brauchen Leitplanken

Die Verlockungen der Strategiearbeit hängen eng mit einer kreativ zu gestaltenden Zukunft zusammen. Dr. Helge Beyer, Head of Corporate Development der KWS SAAT AG unterstreicht den schöpferischen Antrieb, das Morgen ins Visier zu nehmen:

"Freiraum, Kreativität, Neugier und Begeisterung für die Suche nach Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft sind die wesentlichen Triebfedern erfolgreicher Strategiearbeit."

Doch wird damit bereits eine valide und belastbare Unternehmensstrategie identifiziert oder gar in die unternehmerische Praxis implementiert? Gewiss nicht! Ohne die strukturierende Kraft eines Strategieprozesses bleiben "Neugier und Begeisterung" reine Wolkenkuckucksheime; das sieht Dr. Helge Beyer nicht anders, wenn er fortfährt:

"Ein systematischer, in sich konsistenter Strategieprozess unter Nutzung eines breiten Methodenmix' und im Zusammenspiel mit Workshops zur gemeinsamen Lösungs-Entwicklung bietet hierzu die Basis und den erforderlichen Rahmen.“

Praxisnah löst Beyer den scheinbaren Antagonismus zwischen Kreativität und rationalem Prozess auf: letzterer bietet "die Basis und den erforderlichen Rahmen" für die gleichsam überbordende Energie eines Gestaltungsdrangs, dem die Rolle des Antriebs, des Motivators im Strategieprozess zufällt.

Mit anderen Worten, doch nach meiner Einschätzung mit derselben Stoßrichtung formuliert Dr. Michael Giebel, Leiter Prozess- und Qualitätsmanagement der Job AG seine Erfahrungen:

"Erfolgreiche Strategiearbeit ist integraler Bestandteil der Führungsaufgaben und setzt Professionalität in der Prozessführung und -begleitung voraus. Sie kombiniert Intuition und Analytik, ausgerichtet auf die Schaffung von Kundennutzen. Umsetzungsplanung und Umsetzung in operative Ziele, Mittel und Maßnahmen sind entscheidend, um den Geschäftszweck und die Unternehmensziele durch eine konsistente Strategie zu erreichen."

Freie, assoziative Intuition und rationale, sezierende Analytik bilden hier die Pole, die von "Professionalität in der Prozessführung und -begleitung" zusammengehalten und versöhnt werden.

Beide Experten-Statements verdeutlichen: Kreativität ohne Leitplanken bleibt bloße Fantasie - nutzlos für die unternehmerische Praxis. Leitplanken ohne Kreativität sind totes Terrain - unfruchtbar für die Strategische Planung.

Genau hier müssen wir ansetzen, um die Qualität der Strategischen Planung weiter zu schärfen; um ihre Robustheit weiter zu erhöhen; um den Unternehmenserfolg nachhaltig zu sichern. Mein unternehmerisches Wollen zielt darauf ab, einen Strategieprozess so zu optimieren, seine rationalen Leitplanken so zu gestalten, dass sein kreativer Antrieb die größtmögliche Gestaltungskraft entfaltet. Wie muss ein solcher Prozess beschaffen sein?
     

Kreativität zielgerichtet einsetzen

Zunächst möchte ich zwei Arten von Kreativität unterscheiden: Zum einen den eigentlichen Gestaltungswillen der Strategiearbeit, den auch Beyer und Giebel benannt haben: jenes Aufspüren von "white spots" im Unternehmensportfolio, das Eruieren von Wachstumschancen in gesättigten Märkten, die Formulierung von Alleinstellungsmerkmalen gegenüber Wettbewerbern.

In einem IT-gestützten Strategieprozess, wie ihn SOLYP3 zur Verfügung stellt, wird diese strategische Schöpferkraft durch die Zusammenführung harter und weicher Daten ermöglicht. Erst die Synthese harter Unternehmenskennzahlen (Umsatz, Marktanteil, Rendite etc.) und weicher Daten (Trendanalysen, Konkurrenzbeobachtungen, Potenzialeinschätzungen usw.) eröffnet jenen Freiraum, in dem Zukunft strategisch bearbeitet werden kann. Dabei werden quantitative Daten unter dem Blickwinkel der "weichen" Bewertungen qualifiziert, während der SOLYP3-Fragebogen die Leitplanken vorgibt, damit letztere sich nicht in Beliebigkeit verlieren. Über Skalen und Regler werden Meinungen, Trends und Einschätzungen nämlich quantifiziert und damit analysierbar gemacht. Erst durch diese Quantifizierung qualitativer Daten werden diese dem Strategiediskurs zugänglich und bilden im Spiel mit den harten Daten die Wände des kreativen Freiraums.

Die zweite Art von Kreativität, der wir in der unternehmerischen Praxis immer wieder begegnen, möchte ich als eine parasitäre oder fehlgeleitete bezeichnen. Nicht selten jedoch wird sie als die eigentliche kreative Arbeit "verkauft". Die Rede ist von bunten, flimmernden, animierten Präsentationen, mit denen am Strategieprozess Beteiligte in Powerpoint-Schlachten ziehen. Wird nicht immer noch instinktiv derjenige als kreativ bezeichnet, der hunderte bunter Hintergründe anklickt, virtuos zwischen Torten-, Säulen- und Bubble-Diagrammen wechselt und mit Animationen und Soundeffekten begeistert?

Wie viel Zeit und wie viel fehlgeleitete Energie stecken jedoch in solch einer vermeintlichen Originalität, die sich in verführerischen Oberflächen ergeht, ohne den Strategieprozess mit kreativem Leben zu füllen!

Auch hier fungiert ein IT-basierter Strategieprozess, wie ihn die SOLYP3-Software ausrollt, als Wegbereiter für die eigentliche schöpferische Strategiearbeit. Indem Präsentationsformate im jeweiligen Unternehmens-Design per Knopfdruck ausgeworfen werden, entlastet solch ein Prozess von pseudo-kreativen Routinearbeiten und schafft mehr freie Zeit für wirklich kreative Analysen und ideenreiche Szenarien. Nicht auf das Wie der Präsentation kommt es an, sondern auf das Was, das Womit und das Wofür der jeweiligen strategischen Ausrichtung! Diese Fragen muss die Schöpferkraft der am Strategieprozess Beteiligten beantworten.

Unsere Analysen haben ergeben, dass der Einsatz von SOLYP3 bis zu 60% lästiger Routinearbeiten z. B. bei der Präsentationserstellung überflüssig macht. Wie viele Personentage an Einsparungspotenzial bedeutet dies für Ihren Strategieprozess? Doch viel entscheidender als dieser wirtschaftliche Faktor ist für mich folgende Frage: Welches kreative Potenzial wird von diesen Routinearbeiten verschüttet und stünde der Optimierung Ihrer Unternehmensstrategie zur Verfügung, würde sie robuster und zukunftssicherer machen? Kreativität muss zielgerichtet für die Schaffung dieses strategischen Mehrwerts eingesetzt werden. Nur so wird die wertvollste Ressource Ihres Unternehmens - die Köpfe Ihrer Mitarbeiter! - auch die Schubkraft entfalten, die zur Gestaltung einer erfolgreichen unternehmerischen Zukunft notwendig ist.

Ja, "Kreativität per Knopfdruck" klingt nach einem Widerspruch in sich selbst, doch sie ist möglich: wenn der richtige Prozess den richtigen Knopf bereitstellt! Dann eröffnet diese Arbeitsentlastung den Freiraum für Neugier, Intuition und Fantasie, ohne die unsere Strategiearbeit weder Spaß machen, noch einen nachhaltigen Unternehmenserfolg sichern würde.


 


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