Grants und Sandbergs Option B

Mittwoch, 07. März 2018

Grants und Sandbergs Option B: Warum Führungskräfte
das sehr persönliche Buch des Organisationspsychologen und der
Facebook-Managerin unbedingt lesen sollten

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In seinem neuesten Buch „Option B. Wie wir durch Resilienz Schicksalsschläge überwinden und Freude am Leben finden.“ beschäftigt sich der Organisationspsychologe Adam Grant mit dem Thema Resilienz. Co-Autorin ist niemand geringeres als Facebook-COO Sheryl Sandberg, die sich durch den unerwarteten Tod ihres Mannes mit der Frage beschäftigen musste: Was ist, wenn Option A – in diesem Fall das Leben mit ihrem Ehemann Dave – nicht mehr zur Debatte steht? Die Antwort: Das Beste aus Option B machen! Wie dies gelingen kann, zeigen Sandberg und Grant in ihrem Buch anhand zahlreicher persönlicher Geschichten, die mit fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen unterfüttert sind.

Das Geheimnis: Widerstandsfähigkeit

Resilienz ist in der Psychologie der Fachbegriff für die Widerstandsfähigkeit der Seele und die Fähigkeit, sich angesichts von Krisen nicht nur zu regenerieren, sondern weiterzuentwickeln. Neben den persönlichen Erfahrungsberichten von Sandberg und anderen bietet das Buch in weiten Teilen ganz konkrete Verhaltenstipps, wie jeder einzelne resilienter werden kann, sei es angesichts einer Krise im eigenen Leben oder weil man andere unterstützen möchte. Es geht aber auch darum, was Resilienz in der Arbeitswelt bedeutet und wie sich diese fördern lässt. Klar ist, dass sich diese Form der Selbstregulation erlernen lässt, nicht nur von Top-Führungskräften wie Sandberg.

Individuelle Resilienz: Herausforderungen meistern
 
Individuelle Resilienz

Dabei bedeutet Resilienz nicht, einfach alles klaglos hinzunehmen, wie es kommt. Vielmehr kommt es darauf an, einen jeweils eigenen, geeigneten Weg zu finden, Herausforderungen anzunehmen und zu meistern. In Situationen, in denen Option A plötzlich nicht mehr funktioniert, sollte für eine resiliente Reaktion immer eine klare Bestandsaufnahme am Anfang stehen: Nur, wenn die Tatsachen klar auf dem Tisch liegen, können sie auch akzeptiert werden. Resiliente Menschen bewältigen Schwierigkeiten damit, dass sie positiv umdeuten, was gegebenenfalls zunächst Angst macht oder für Unruhe sorgt – auf dieser Basis kann man verschiedene Lösungsansätze abwägen und diese anschließend fokussiert umsetzen.

Dies muss nicht von jetzt auf gleich geschehen – ebenso wie Sheryl Sandberg etwa erst nach und nach wieder Aktivitäten aufnahm, die die Familie früher gern mit Vater Dave zusammen unternommen hatte. Wichtig ist, Selbstwirksamkeit zu entfalten. „Es könnte zwar auch sein, dass sich von selbst etwas an Ihrer Situation verbessert. Aber statt dafür dann einfach nur dankbar zu sein, werden Sie lieber selbst aktiv“, so Grant. „Finden Sie heraus, was Sie aktiv beitragen können, und tun Sie es – das stärkt das Selbstvertrauen.“

Organisationale Resilienz: Selbstreflexion fördern

Gerade im Zeitalter der Digitalisierung geschieht es häufig, dass Dinge, die heute gängige Praxis sind, morgen bereits veraltet sein können. Unternehmen müssen sich daher immer wieder neu erfinden und neu justieren. Dabei hilft es, flexibel zu bleiben, etwa durch agile Managementansätze. An der Widerstandsfähigkeit der Organisation zu arbeiten, ist aber auch eine erfolgsversprechende Möglichkeit – zum Beispiel, indem die Resilienz von Teams als kleinste organisatorische Einheit gefördert wird.

Dabei kann es von Vorteil sein, wenn einzelne Teammitglieder resiliente Persönlichkeiten sind. Doch es erfordert mehr, damit das Team als Ganzes mehr Standhaftigkeit entwickelt. Am Anfang sollte auch hier wieder eine Bestandsaufnahme stehen, die die äußeren Anforderungen mit der Zusammenarbeit im Team abgleicht. Denn um herauszufinden, wo Verbesserungspotenziale schlummern, muss der Blick sowohl nach außen als auch nach innen gerichtet werden: Nur, wer aktuelle Entwicklungen kennt und richtig einschätzen kann, kann daraus die Konsequenzen ziehen und interne Strukturen und Prozesse entsprechend anpassen. Dazu gehört beispielsweise die Überprüfung von Abfolge und Aufteilung einzelner Arbeitsschritte und Aufgaben im Team.

Dabei sollte nicht nur Negatives im Fokus stehen – Dinge, die bereits gut laufen, müssen auch ganz bewusst zur Kenntnis genommen werden. Das Ziel: eventuelle Diskrepanzen beheben. Das kann jedoch nur gelingen, indem diese offen zu Tage gefördert werden. Optimal ist es, wenn anschließend die übergeordnete Organisation die erforderlichen Veränderungen flankiert – etwa mit zusätzlichen Ressourcen.

„Resilienz lässt sich trainieren wie ein Muskel“

Resilienz lässt sich trainierenDas Beispiel von Sheryl Sandberg ist in beiderlei Hinsicht spannend: Ihr Zugewinn an individueller Resilienz wird ihren Führungsstil und damit auch die organisationale Resilienz früher oder später beeinflussen. Doch wir sind nicht auf äußere Einflüsse angewiesen, um Widerstandsfähigkeit zu entwickeln: „Resilienz lässt sich trainieren wie ein Muskel“, ist sich Grant sicher. Das gilt sowohl für die organisationale als auch die individuelle Resilienz. Er beschreibt drei Fähigkeiten, die für die Weiterentwicklung von Organisationen, Teams und Individuen äußerst hilfreich sind:

  • Andere Perspektiven einnehmen.
  • Probleme offen beim Namen nennen.
  • Ansätze zur Weiterentwicklung erkennen und nutzen.


Unternehmen sollten, wenn es nach Grant geht, die Förderung von Resilienz als zentralen Bestandteil ihrer Personal- und Organisationsentwicklung betrachten: Ebenso wie der Erwerb von Fachkenntnissen vonnöten ist, um neue Aufgabenstellungen zu bewältigen – beispielsweise in Form von Kursen und Schulungen – können auch Trainingseinheiten für mehr Standhaftigkeit für Teams oder einzelne Führungskräfte einen äußerst wichtigen Erfolgsfaktor darstellen.

Mehr von und über Adam Grant
 

Im SOLYP-Strategie-Blog haben wir uns bereits mehrfach mit der Arbeit von Adam Grant beschäftigt. Viele der Aspekte der Philosophie des Organisationspsychologen sind auch in unserer Firmenkultur fest verankert. Inspirierende und auch überraschende Erkenntnisse können Sie hier prägnant zusammengefasst nachlesen:

„Wer gibt, gewinnt: A Tribute to Adam Grant“

„Adam Grants Originals: Wie Sie zum erfolgreichen Ideengeber werden"