Leadership- und Managementtipps von Tom Peters

Freitag, 25. Oktober 2013

Diese Woche hatte ich das große Vergnügen Managementguru Tom Peters live bei einem seiner ganztägigen Seminare erleben zu dürfen. Die ZfU International Business School in Zürich hatte zu dem Event geladen und Führungskräfte aus ganz Europa waren angereist, um Leadership- und Managementtipps vom „Meister“ persönlich zu erhalten. Und sie wurden alles andere als enttäuscht. Peters bot ein wahres Feuerwerk an Denkanstößen, Ideen und inspirierenden Zitaten, die sicher noch lange in den Köpfen des Publikums nachwirken werden. Tief beeindruckt haben mich seine große Leidenschaft und seine unkonventionelle und mitreißende Art, wie ich sie in der Form bei Business-Rednern bisher selten erlebt habe.

Leider ist es unmöglich, den gesamten Inhalt der vier Seminar Sessions wiederzugeben. Daher hier meine persönliche Top-10-Liste von Tom Peters' Ratschlägen, wie sich Spitzenleistungen auch in chaotischen Zeiten erzielen lassen:

  • #1 Hör zu!
    Strategisches Zuhören“ ist der wichtigste Wettbewerbsvorteil eines Unternehmens, sagt Peters. Zuhören zeugt von Respekt und Achtung gegenüber dem Anderen. Es ist die Grundlage für wahre Kooperation und Partnerschaft, die Triebkraft für eine erfolgreiche Strategieumsetzung, der Schlüssel für mehr Umsatz und Kundenzufriedenheit und unabdingbare Voraussetzung für Erneuerung, Kreativität und Innovation. „Ineffektive Leader reden, effektive Leader hören zu!

  • #2 Behandle deine Mitarbeiter wie Kunden
    Peters erklärte, dass er lange Zeit der Auffassung gewesen sei, dass der Kunde stets an erster Stelle käme. Inzwischen habe er aber seine Meinung diesbezüglich revidiert. Auch wenn es grammatikalisch etwas holprig klingt, wie er zugibt, sagt er nun: „If you want to put the customer first, you have to put the person who serves the customer more first.” Diese Lektion habe er von Herb Kelleher gelernt, einem der Gründer und CEOs von Southwest Airlines, der das große Kunststück vollbracht hat, eine Fluggesellschaft profitabel zu machen. „Wenn du deine Mitarbeiter richtig behandelst, werden sie deine Kunden richtig behandeln“, sagt Kelleher. Dieser Ansatz kehrt den klassischen Leadership- und Managementstil von Befehl und Kontrolle um. Die Aufgabe von Managern und Vorgesetzten ist es demnach, Barrieren abzubauen und die notwendigen Rahmenbedingungen und Freiräume zu schaffen, damit die Mitarbeiter in die Lage versetzt werden, sich weiter zu entwickeln und ihr Bestes für sich selbst, den Kunden und das Unternehmen zu leisten.

  • #3 Frag deine Mitarbeiter nach ihrer Meinung
    Eine einfache aber sehr effektive Methode zur Steigerung des Mitarbeiterengagements, so Peters, sei die simple Frage: Was denkst du? Indem man die Mitarbeiter ehrlich nach ihrer Meinung frage, bringe man ihnen Wertschätzung und Vertrauen entgegen, welches sie dann eher bereit sind, zurückzugeben. Außerdem lassen sich nur so die Ideen, die in den Köpfen aller Mitarbeiter schlummern, einfangen.

  • #4 Vergiss nicht den Duschvorhang in die Badewanne zu stecken
    Es sind die kleinen Dinge, die im Gedächtnis bleiben und die exzellenten Kundenservice ausmachen. Also halte dich an die Maxime von Hotelier Conrad Hilton: „Don't forget to tuck the shower curtain into the bathtub.

  • #5 Erfinde dein Unternehmen immer wieder neu
    In Zeiten disruptiven Wandels und Hyperwettbewerbs, ist Peters fest überzeugt, müssen sich Unternehmen ständig selbst neu erfinden. „Innovate or die!“, lautet die unbequeme Wahrheit.

  • #6 WTTMSASTMSUTFW: WHOEVER TRIES THE MOST STUFF AND SCREWS THE MOST STUFF UP THE FASTEST WINS
    Innovationsstärke zeichnet sich nicht nur durch Kreativität und Erfindungsgeist aus, sondern auch durch Unermüdlichkeit, Risikobereitschaft und Schnelligkeit. Es mag paradox klingen, aber „am Ende gewinnt, wer die meisten Dinge ausprobiert und die meisten Dinge am schnellsten in den Sand setzt“, sagt Peters. Wenn man dramatischen Fortschritt anstrebt, sind Fehler und Missgeschicke unausweichlich. Wer schnell Fehler mache, lerne schnell. Und wer große Fehler mache, lerne viel. Man muss jede Chance, die sich einem bietet, ergreifen und ein mögliches Scheitern billigend in Kauf nehmen.

  • #7 Umgebe dich mit Leuten, die ihrer Zeit voraus sind
    Wir sind wie die Leute, mit denen wir uns umgeben. Daher ist jede Entscheidung über Beziehungen und Partnerschaften (mit Mitarbeitern, Kunden, Zulieferern, etc.) im Grunde nichts anderes als eine strategische Entscheidung darüber, ob wir innovativ sind oder nicht. Um diesen Punkt zu untermauern, brachte Peters ein schönes Zitat von FedEx Gründer Fred Smith: „Wer ist die interessanteste Person, die du in den letzten 90 Tage getroffen hast? Wie kann ich mit ihr Kontakt aufnehmen?

  • #8 „Don’t benchmark, futuremark!
    Benchmarking ist nicht mehr als das Imitieren von gegenwärtigen Geschäftspraktiken. Folglich kann man morgen nur so gut sein, wie der Konkurrent gestern war. Statt Benchmarking, sollen Unternehmen besser „Futuremarking” betreiben, rät Peters. Sie müssen die Zukunft sein, die andere Unternehmen werden nachahmen wollen.

  • #9 Sei großartig, nicht groß
    Unternehmen müssen nicht groß sein, um am erfolgreichsten zu sein. Kleine und mittelständische Unternehmen sind häufig besonders gut darin, enge Beziehungen zu Kunden, Zulieferern und ihren örtlichen Gemeinden aufzubauen und eine intime und angenehme Arbeitsatmosphäre für ihre Angestellten zu schaffen. Und sie spezialisieren sich auf Nischenmärkte, in denen sie einzigartige Produkte und Dienstleistungen anbieten. Nähe zu den Kunden und Mitarbeitern und Anderssein—die wichtigsten Grundlagen für Erfolg!

  • #10 Gib Frauen den Stellenwert, den sie verdienen
    Frauen sind inzwischen meist besser ausgebildet als ihre männlichen Kollegen und verfügen über die nötigen Fähigkeiten und Eigenschaften, im heutigen Geschäftsumfeld, das von Kollaboration, kultureller Vielfalt und Offenheit geprägt ist, erfolgreich zu sein. Außerdem tätigen sie 75% aller Kaufentscheidungen(!). Frauen sollten daher einen wesentlichen Teil des Führungsteams ausmachen.


Peters gab selbst zu, dass viele seiner Ratschläge mehr oder weniger allgemeine Weisheiten seien, die wir schon von unseren Großeltern in die Wiege gelegt bekämen. Jedoch würden diese im Eifer des Gefechts leider viel zu oft in Vergessenheit geraten. Was all seinen Aussagen zugrunde liegt, ist die tiefe Überzeugung, dass der Mensch der Schlüssel und Zweck des Unternehmenserfolgs ist. „Business has to give people enriching, rewarding lives … or it’s simply not worth doing”, zitierte er den britischen Unternehmer Richard Branson. Wohl wahr!

Tom Peters ist sehr freigiebig, was das Teilen seiner Folien angeht. Die vollständige Präsentation des ZfU Seminars finden Sie auf seiner Webseite.

Alexander Zimmermann