Nachbericht zur 14. Jahreskonferenz Strategisches Management

Dienstag, 13. Mai 2014

Am 8. Mai war es wieder soweit: Strategieexperten aus ganz Deutschland pilgerten nach Stuttgart, um an der traditionellen Jahreskonferenz Strategisches Management teilzunehmen, die nunmehr zum 14. Mal von Horváth & Partners ausgerichtet wurde. Wie bereits in den beiden Jahren zuvor fungierte SOLYP erneut als Veranstaltungspartner. Das Motto des eintägigen Events lautete diesmal:

„Strategie erlebbar machen - Einbindung, Kommunikation und Verbindlichkeit als Schlüssel erfolgreicher Strategiearbeit“

In seinen einleitenden Worten erläuterte Tim Wolf von Horváth & Partners, dass sich in der Strategiearbeit derzeit ein grundlegender Paradigmenwechsel vollziehe weg von dem lang praktizierten zentralisierten und intransparenten Top-Down-Ansatz hin zu mehr Offenheit und einer stärkeren Einbindung der wichtigen Stakeholder in alle Phasen des Strategieprozesses. Auf diese Weise werde die Unternehmensstrategie nicht nur auf eine solidere Grundlage gestellt, sondern auch ein besseres Alignment über alle Abteilungsgrenzen hinweg erreicht. Diese Einschätzung wurde von den übrigen Referenten weitgehend bestätigt, deren Unternehmen die drei Schlüsselelemente erfolgreicher Strategiearbeit—Einbindung, Kommunikation und Verbindlichkeit—bereits verinnerlicht und in ihre Unternehmenskultur integriert haben.

Ein schönes Beispiel hierfür lieferte Jan Wehking, Leiter Strategieprozess, Konzernstrategie der Deutschen Bahn AG. Bei der Entwicklung der neuen DB2020 Strategie, die auf weltweite Marktführerschaft, der Positionierung als Top-Arbeitgeber und Umweltvorreiterschaft abzielt, haben die drei genannten Aspekte jeweils eine zentrale Rolle gespielt. Er erläuterte, dass die zunehmende Komplexität im Marktumfeld sowie fehlende Orientierung der Mitarbeiter nach der Absage des Börsengangs des Unternehmens einen breiteren Managementansatz notwendig gemacht hätten. Auf Konzernebene wurden daher 220 Top-Manager in die Strategieentwicklung einbezogen. Nach erfolgreicher Einführung auf Konzernebene, erfolgte anschließend die Ausgestaltung der DB2020 Strategie in den Geschäftsfeldern und Servicecentern, die wiederum eine stärkere Einbindung der Mitarbeiter erforderlich machte. Ziel war es, dass jeder Mitarbeiter:

  • die Strategie kennt und versteht –auch im Hinblick auf sein konkretes Arbeitsumfeld
  • die Strategie akzeptiert und motiviert ist, sich zu engagieren
  • sich in die Ausgestaltung und Umsetzung einbringen kann
  • sich einbringt und wertgeschätzt fühlt

Um dies zu erreichen war viel Kommunikationsarbeit und Hilfestellung notwendig, berichtete Wehking. Dabei setzte das Unternehmen vor allem auf kreative Ansätze, wie beispielsweise Dialogbilder und unterhaltsame Animationsfilme, um die Mitarbeiter spielerisch für die neue Strategie zu begeistern. Teil der Kommunikationsstrategie war es zudem, Fortschritte zeitnah und transparent zu kommunizieren. Um die Strategie für alle Mitarbeiter verständlich zu machen, wurde sie auf jede Organisationseinheit heruntergebrochen und den Mitarbeitern wurde Anleitung für das tägliche Handeln geben. Das Einbringen eigener Idee von Seiten der Mitarbeiter und Führungskräfte wurde ebenfalls ermöglicht und aktiv gefördert.

Um die notwendige Verbindlichkeit zu schaffen, setzt die Deutsche Bahn zudem auf die Integration der Unternehmensziele ins Vergütungssystem von über 5.000 Führungskräften. Die variable Gehaltskomponente spaltet sich auf in 20% Konzernziele, 50% Geschäftsfeldziele und 30% persönliche Ziele, wobei diese die strategische Stoßrichtung, soweit möglich, widerspiegeln.

Das Thema Kommunikation stand auch bei den übrigen Referenten im Vordergrund. Gerhard Mennecke, Leiter Strategische Unternehmensplanung der PKW-Sparte der Volkswagen AG, etwa betonte, dass Kommunikation die Essenz erfolgreicher Strategieumsetzung bilde. Der VW Konzern setzt dabei insbesondere auf Großveranstaltungen, um die Mitarbeiter von seiner Strategie zu überzeugen. Andere Kommunikationsmethoden, die im Verlauf der Konferenz Erwähnung fanden, waren u.a. Business Wargaming, Storytelling, Markenbotschafterprogramme und Strategy-Into-Action-Toolkits. Die Zauberformel hierbei, so Christoph Harringer von der Brandingagentur Symbiosis, sei „Emotionalisierung und technische Features“.

Die Nachteile einer stärkeren Mitarbeitereinbindung blieben allerdings ebenfalls nicht unerwähnt. So konstatierten Katrin Berlet-Maiweg und Oliver Oppermann von Gore-Tex in ihrem gemeinsamen Vortrag, dass die „interdisziplinäre Strategieentwicklung unter Einbeziehung des Einzelnen“, wie sie bei Gore-Tex praktiziert werde, einen hohen Energieaufwand des Individuums erfordere, eine Orientierungslosigkeit durch minimalistische Organisationsstrukturen hervorrufe und langwierige Abstimmungsprozesse notwendig mache. „Aber: Die Vorteile überwiegen eindeutig!“, so ihr einhelliges Urteil.

Zu guter Letzt warf Tim Wolf von Horváth & Partners noch einen Blick in die Zukunft der Strategiearbeit. Dabei bemängelte er zunächst den Umstand, dass viele Unternehmen immer noch mit Strategieinstrumenten arbeiten würden, die aus den 60er und 70er Jahren stammen. Um den Herausforderungen des heutigen von Schnelllebigkeit, Volatilität und Hyperwettbewerb geprägten Marktumfelds gewachsen zu sein, gelte es jedoch, innovativere Ansätze zu verfolgen. Zu den wichtigsten Strategieinstrumenten der Zukunft zählte er die strategische Frühaufklärung, Szenarioanalyse, Markt- und Kundenintelligenz, Business Wargaming, die Simulation von strategischen Maßnahmen in Echtzeit sowie insbesondere Business Model Innovation. Zudem mahnte Wolf an, dass die Professionalisierung der Strategiearbeit in Bezug auf Standardisierung, Integration und Automatisierung weiter vorangetrieben werden müsse. Als weitere wichtige Erfolgsfaktoren für die Strategiearbeit der Zukunft nannte er das Verständnis von Strategie als Führungsaufgabe, eine breite Verankerung von Strategie im Gesamtunternehmen, eine enge Verzahnung von strategischer Frühaufklärung und strategischem Controlling sowie eine konsequente und rasche Entscheidungsfindung und -umsetzung. Resümierend stellte er fest, es sei „die Aufgabe der Strategiebereiche, die Leichtigkeit der Strategieentwicklung trotz steigender Anforderungen zu ermöglichen“. Und er fügte hinzu: „Die besten Strategiebereiche werden ihren Unternehmen einen strategischen Wettbewerbsvorteil schaffen.“

Die Jahreskonferenz ist auch dieses Mal nicht hinter den Erwartungen der Veranstalter und Teilnehmer zurückgeblieben. Das Interesse von Vertretern aus der Unternehmenspraxis an der Veranstaltung ist ungebrochen groß. Und so dürfen wir uns auch im nächsten Jahr wieder auf eine inspirierende und rundum gelungene Konferenz freuen!