Think Big! Die Märkte der Zukunft – und wie man sie strategisch erobert

Montag, 07. Mai 2018

Think Big! Die Märkte der Zukunft –
und wie man sie strategisch erobert.

Nachbericht zur 18. Jahreskonferenz Strategisches Management

Ende April trafen sich Strategie-Experten aus verschiedensten Branchen in Stuttgart zur 18. Jahreskonferenz Strategisches Management. Dieses Jahr im Fokus: Die Märkte der Zukunft, die sich rasend schnell weiterentwickeln. SOLYP war als Kooperationspartner der Veranstaltung erneut mit einem eigenen Stand vor Ort. In unserem Nachbericht haben wir die spannenden Vorträge für Sie zusammengefasst.

Fokusmarkt: Automobil

Der erste Vortrag kam von Patrick Kück, Director Strategy & Innovation bei Porsche: Er gab einen spannenden Einblick in die Strategie der Premium-Marke und die Zukunft des Sportwagens. Gerade die Automobilindustrie steht laut Kück in den kommenden Jahren vor großen Herausforderungen, denen sich auch die Stuttgarter Traditionsmarke stellen muss – die Vision: Weg von der Wachstumsstrategie, hin zu mehr Technologie Innovation. Die Strategie 2025 wartet darum mit ganz neuen Themen wie Smart Mobility, Nachhaltigkeit, Produktion 4.0 und jeder Menge Innovationskraft auf: „Wir wollen die Zukunft des Sportwagens aktiv mitgestalten – dafür entwickeln wir immer wieder neue Geschäftsmodelle und Technologien und setzen auf zukunftsweisende Partnerschaften, unter anderem mit vielversprechenden Start-Ups“, so Kück.

Straße blog

Auch Dr. Stefan Niemand, Leiter Elektrifizierung bei AUDI, wagte in seinem Vortrag einen Blick in die Zukunft der Automobilindustrie. Das ambitionierte Ziel der Marke mit den vier Ringen: Zero Emission. „Wir müssen den Spagat zwischen Gesetzen, Erlösen und technologischen Herausforderungen leisten – da stoßen unsere konventionellen Audi Modelle momentan an ihre Grenzen“, gab Niemand zu. Doch die eine Lösung für die Zukunft gebe es aktuell noch nicht. „Wir haben in den vergangenen Jahren viel ausprobiert – darum gibt es heute einen Mix an unterschiedlichen Antriebsvarianten. Es wird auch bei Audi bis auf weiteres weiterhin Verbrennungsmotoren geben - allerdings Mischtypen als Elektro- oder Hybrid-Modell.“ Niemand verriet den Strategie-Experten im Publikum anschließend auch, was Strategen von der Entwicklung der E-Sparte bei Audi lernen können: „Die Phase des Ausprobierens halte ich für unglaublich wichtig, wenn es um neue Technologien geht – nur so können Unternehmen den richtigen Weg für die Zukunft finden. Dafür braucht es vor allem Mut – und natürlich auch die Bereitschaft, erst einmal zu investieren.“

Fokusmarkt: Energie

Ein weiteres Thema, um das man bei Zukunftsvisionen nicht herumkommt, ist Energie: Philipp Schröder von der sonnen GmbH erklärte in seinem Vortrag, wie das Start-Up aus Hamburg mit Sonnenenergie seit 2011 den Energiemarkt revolutioniert. Der Jungunternehmer, der zuvor für Tesla gearbeitet hat, hat ein ehrgeiziges Ziel: Mithilfe einer Sonnenbatterie soll künftig jeder seinen eigenen Strom erzeugen können. Schröders Vision: „Wir wollen die erste Strom-Sharing-Plattform aufbauen, um saubere und bezahlbare Energie für alle zu liefern – das ist die Zukunft der Energie.“ Der Erfolg gibt seinem Modell Recht: sonnen hat in den letzten Jahren überragende Gewinne erzielt und gerade erfolgreich den Sprung in den Australischen Energiemarkt gemeistert – auch dank fundierter Strategiearbeit. „Eines unserer Erfolgsrezepte ist sicher, dass wir unseren Abteilungsleitern viel gestalterischen Freiraum lassen – das funktioniert, weil die Innovationskultur bei uns von Anfang an auf jeder Ebene im Unternehmen verankert wurde“, so Schröder. Sein Tipp für alle Strategen: „Wenn man sich trauen will, innovativ zu sein, muss man den Innovationsdruck auch in den operativen Bereich bringen – das ist jedoch für alt eingesessene Unternehmen oft eine Herausforderung.“

Fokusmarkt: Gesundheit

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Auch der Gesundheitsmarkt entwickelt sich rasend schnell: Daniel Saur von der Mc Kesson Europe AG gewährte den Teilnehmern einen Blick hinter die Kulissen des erfolgreichen Pharma-Konzerns. Das Unternehmen mit Hauptsitz in San Francisco beliefert Apotheken, Krankenhäuser und Arztpraxen auf der ganzen Welt mit pharmazeutischen Produkten. Das aktuelle Spannungsfeld: die Gesundheitskosten steigen, während die staatlichen Budgets sinken. „Wir sind sehr abhängig von staatlichen Systemen und Reglementierungen – das macht den Gesundheitsmarkt so spannend, aber auch schwierig“, führte Saur aus. Die verschiedene Regionen und Märkte erfordern individuelle Strategie-Maßnahmen, die am Ende eine stimmige Konzern-Strategie ergeben müssen: „Wir haben zum Beispiel sieben übergreifende Trends für den europäischen Pharmamarkt identifiziert, die wir in unserem Planungsprozess berücksichtigen“, so Saur. „Besonders das Thema Digitalisierung nimmt auch im Gesundheitsbereich langsam Fahrt auf – vom elektronischen Rezept bis zur digitalen Krankenakte stehen uns einige Änderungen bevor, die den Markt ordentlich aufmischen werden“, prophezeite Saur. „Darum müssen wir schon heute den Kunden bzw. den Patienten in den Mittelpunkt stellen, auch bei der Strategiearbeit – ein Vorgehen, das sicher auch erfolgreich auf andere Branchen anwendbar ist.“

Fokusmarkt: Industrie

Wie kann man dauerhaft in einem extrem zyklischen Marktumfeld erfolgreich sein? Diese Frage versuchte Isabel Hartung, Head of Corporate Development bei TRUMPF GmbH, in ihrem Vortrag mit Blick auf den Maschinenbau-Markt zu beantworten. Der Ansatz des schwäbischen Familienunternehmens: flexibel auf Veränderungen reagieren. Als Beispiel für die stetige Innovationskraft von TRUMPF nannte Hartung die Lasertechnologie: „Die ständige Optimierung und Weiterentwicklung auf diesem Gebiet in den letzten Jahren zeigt, dass wir uns immer wieder mutig in Frage stellen.“ Auf dem hart umkämpften Maschinenbau-Markt braucht es Mut, unternehmerische Verantwortung und Begeisterung, um innovativ zu sein – das kommt auch in der Konzern-Strategie von TRUMPF zum Ausdruck. Der „Mut zum Wandel“ der Schwaben zieht sich durch alle Handlungsfelder – auch durch die Strategiearbeit. Hartung resümierte: „Das Jahrhundert der Technik hat gerade erst begonnen, und wir wollen die Geschichte ein Stück mitgestalten.“

Fokusmarkt: Technologie

Digitalisierung blog

Was für Technologien uns auf den Märkten der Zukunft erwarten, erläuterte Harald Neidhardt vom futur/io Institute in seinem Vortrag – new X-Tech, Smart Contracts und Blockchain waren nur einige der technologischen Neuerungen, die er in Stuttgart vorstellte. „Die Entwicklungskurve steigt von Tag zu Tag steiler exponentiell an: Ich gehe davon aus, dass wir in den kommenden fünf bis zehn Jahren in immer kürzeren Abständen - mindestens jährlich – neue wegweisende Technologie-Einschläge erleben werden, die unseren Alltag komplett umkrempeln“, so Neidhardt. „Die philosophische Frage, die wir uns alle dazu stellen müssen: Wie wollen wir eigentlich leben?“ Neidhardt betonte, dass bei all den technischen Innovationen das menschliche und unsere Bedürfnisse nicht aus den Augen verloren werden dürfen – wenngleich die Technologie auch ganz neue Chancen eröffnet: „Projekte, die früher nur große Konzerne umsetzen konnten, sind heute oft auch schon mit schmalem Budget und einer Prise Innovationsgeist möglich“, erläuterte Neidhardt.

Wissen als zentrale Ressource

Auch der Gastgeber Horváth und Partners zeigte, wie das Consulting-Unternehmen die Märkte der Zukunft erschließen will. Referent Sebastian Ley stellte Wissen als die zentrale Ressource heraus: Wissen warum, wissen wo und wissen wie. „Die Branchengrenzen werden in Zukunft immer mehr verschwimmen: Wurde ein Markt bisher entlang von Produkten und Branchen definiert, werden zukünftig die Kundenbedürfnisse im Fokus stehen. So wird beispielsweise der Automobil- zum Mobilitätsmarkt – und der Wettbewerb vielschichtiger denn je“, so Ley. Strategie sei dabei richtungsweisend für die Innovationsarbeit: „Zukunftsoffenes Denken, schnelles und agiles Handeln, kontextbezogen und nutzerzentriert – das braucht es, um ‚The Next Big Thing‘ zu identifizieren.“ Dafür müssten Unternehmen anfangen, Undenkbares zu denken und das Momentum für Visionäres selbst erzeugen. Laut Ley besonders wichtig sind dabei Ausgewogenheit, ein globales Bewusstsein – und natürlich das richtige Werkzeug, das die Consultants mit ihren Kunden gemeinsam entwickeln.

Die soziale Komponente

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Die Innovationsphilosophie der Hamburger Agentur Sturm und Drang: Kultur studieren, visionieren, transformieren und innovieren. „Um das Verhalten und Erleben von Menschen zu lesen, müssen wir den Kontext um sie herum verstehen“, erklärte Inhaber und Geschäftsführer Stefan Baumann. Im Mittelpunkt des Vortrags stand die Frage, wie man Menschen zu einer besseren Version ihrer selbst innoviert – kurz: Human Innovation. Je weiter die digitale Transformation voranschreitet, desto mehr werden wir uns unseren spezifisch-menschlichen Fähigkeiten bewusst – die soziale Transformation folgt der digitalen“, so Baumann. „Das führt uns zu drei wesentlichen Erkenntnissen, die auch die Arbeit von Strategen in Zukunft beeinflussen werden: Die Transformation ist human. Die Kultur macht die Innovation. Und Kundenzentrierung, Kollaboration und Kreativität machen die Organisation erst innovativ.“

Der Weg in die Zukunft

Unser Fazit: Auch bei der 18. Ausgabe der Jahreskonferenz strategisches Management standen erneut erstklassige Vorträge, die viele Ideen und Denkanstöße lieferten, im Fokus – für zukunftsorientierte Strategieverantwortliche eine absolute Pflichtveranstaltung! Als langjähriger Kooperationspartner der Veranstaltung bedanken wir uns bei allen, die sich an unserem SOLYP-Stand mit uns zum Thema „Digitalisierung von strategischen Managementprozessen mit SOLYP3“ ausgetauscht haben – wir freuen uns schon jetzt darauf, Sie 2019 erneut in Stuttgart wiederzusehen!