Napoleon Bonaparte – Ein Meister der strategischen Planung

Mittwoch, 11. Januar 2012

Das Konzept der strategischen Planung stammt ursprünglich aus dem Militärwesen und fand Anfang des 20. Jahrhunderts erstmals Einzug in die betriebswirtschaftliche Theorie und Praxis. Es ist daher nicht überraschend, dass in der modernen Managementliteratur vielfach Parallelen zwischen unternehmerischer und militärischer Strategieführung gezogen werden und der Versuch unternommen wird, Lehren aus der Militärgeschichte für gegenwärtiges unternehmerisches Handeln abzuleiten. Dabei fällt der Blick gerne auf berühmte Feldherren und Generäle vergangener Zeiten, deren Vorbildfunktion für heutige Manager hervorgehoben wird. Neben Alexander dem Großen, Hannibal, Cäsar oder Lord Nelson ist auch Napoleon Bonaparte immer wieder Gegenstand solcher historischen Betrachtungen. Er ist es denn auch, den SOYLP ganz bewusst zum Schlüsselbild für seinen visuellen Unternehmensauftritt erkoren hat. So ist er beispielsweise auf der Homepage unserer Webseite zu sehen.

Warum aber ausgerechnet Napoleon und nicht einer der anderen legendären Militärstrategen der Weltgeschichte? Nun ja, zum einen haben wir ihn natürlich wegen seines hohen optischen Wiedererkennungswertes ausgewählt. Denn der kleinwüchsige Kaiser mit dem quergetragen Zweispitzhut, der blau-weiß-roten Uniform und der eigenwillig anmutenden Armhaltung ist in der Tat für jedermann leicht auszumachen. Die Antlitze von Alexander dem Großen oder Lord Nelson etwa dürften dagegen nur den wenigsten bekannt sein. Zum anderen aber fiel unsere Wahl auf Napoleon, weil wir von seinem strategischen Geschick sowie seiner außerordentlichen Sorgfalt und Hingabe zum „Job“ beeindruckt waren.

Napoleon gilt gemeinhin als Meister der strategischen Planung. Er bereitete jeden seiner Feldzüge minutiös bis ins letzte Detail vor und spielte dabei stets alle denkbaren Szenarien gedanklich durch. Aufs gründlichste analysierte er die Stärken und Schwächen sowohl des Gegners als auch der eigenen Truppen sowie die jeweiligen topographischen Gegebenheiten und andere kriegsentscheidende Faktoren und zog diese in seine Berechnungen mit ein. Möglichst umfassende Informationsgewinnung und der gezielte Einsatz von Wissen bildeten die Grundlage für seine Strategieentwicklung. Der daraus resultierende Plan war jedoch für Napoleon keineswegs in Stein gemeißelt. Vielmehr gab er eine Leitlinie vor, die es ihm ermöglichte, auf sämtliche Unwägbarkeiten, die unweigerlich auftraten, flexibel und klug zu reagieren (Willms, 2005; Arnold, 2010).

Heutige Manager können von Napoleon also einiges lernen, wenn es um strategische Planung geht. Neben langfristigem, vorausschauendem Denken spielt insbesondere der Blick aufs Ganze eine wichtige Rolle für den nachhaltigen Erfolg eines Unternehmens am Markt. Eine systematische Analyse der Umwelt sowie der eigenen Stärken, Schwächen, Chancen und Herausforderungen (SWOT) sollte stets die Basis der strategischen Planung bilden. Nur wer genaue Kenntnis aller internen und externen Umweltfaktoren besitzt und abstrakt immer wieder alle Eventualitäten durchgeht, kann effizient und flexibel planen.

Wie allgemein bekannt ist, war Napoleon jedoch keineswegs immer siegreich. Seine konsequente „Vernichtungsstrategie“, die auf die völlige militärische und politische Niederwerfung des gegnerischen Heers und Staates abzielte, war auf Dauer höchst riskant und endete schließlich in katastrophalen Niederlagen für Frankreich. Diese kosteten nicht nur unzählige Soldatenleben, sondern besiegelten auch Napoleons eigenes Schicksal, der 1821 in der Verbannung starb. Wie Albert Stahel, Professor für Strategische Studien an der Universität Zürich, konstatiert, wurde „der rationale Stratege Napoleon […] immer mehr zum Spieler Napoleon“ (2004, S. 103). Es lässt sich also noch eine weitere Lehre aus dem militärischen Wirken Napoleons für heutige unternehmerische Strategiearbeit ziehen: Nicht zu hoch pokern oder gar dem Größenwahn verfallen, ansonsten kann man schnell sein eigens persönliches Waterloo erleben!

 



Literatur

Arnold, F. (2010). Management: Von den besten Lernen. München: Hanser.

Stahel, A. (2004). Klassiker der Strategie: Eine Bewertung (4. Aufl.). Zürich: VDF Hochschulverlag. 

Willms, J. (2005). Napoleon: Eine Biographie. München: C.H. Beck.