Welche Quellen für strategische Wettbewerbsvorteile nutzen Sie?

Donnerstag, 15. Oktober 2015

Kosten, Differenzierung, Time-to-Market, Kernkompetenzen, technologische Innovation—dies sind einige der klassischen Quellen für Wettbewerbsvorteile, die sich viele Unternehmen mehr oder weniger erfolgreich zunutze machen. Daneben gibt es jedoch noch eine ganze Reihe andere Quellen für Wettbewerbsvorteile, die von Unternehmensberatern, Wissenschaftlern oder Managern aufstrebender Start-ups immer wieder mal als neue strategische Wunderwaffen angepriesen werden, sei es nun Big Data, Business Model Innovation oder organisatorisches Lernen. Wir haben mal eine Auswahl von YouTube Videos für Sie zusammengestellt, in denen Experten diverse Aspekte, aus denen Wettbewerbsvorteile erwachsen können, ins Rampenlicht stellen und näher beleuchten.

Aber denken Sie daran: Die eine Quelle für Wettbewerbsvorteile, die für Unternehmen jeder Größe und Couleur geeignet ist, wird es nicht geben. Es geht vielmehr darum, unterschiedliche Arten von Wettbewerbsvorteilen so miteinander zu kombinieren, dass sie zur jeweiligen Unternehmensvision und -kultur passen.


Julian Birkinshaw: Was kommt nach Big Data?

In der heutigen Wissensökonomie gilt die Fähigkeit, riesige Mengen an Daten über alle Bereiche des menschlichen Lebens und Handelns zu sammeln und auszuwerten als entscheidender Wettbewerbsvorteil. In diesem Video wirft Julian Birkinshaw, Professor für Strategie und Unternehmertum an der London Business School, einen Blick in die Zukunft und fragt, was nach der Wissensära kommt. Er geht davon aus, dass in einer Welt, in der Informationen und Wissen im Überfluss vorhanden und zugänglich sein werden, zwei Faktoren für den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen maßgeblich sein werden:

  • die Fähigkeit, Entscheidungen stärker auf Basis der Intuition und der emotionalen Überzeugungen der Mitarbeiter zu fällen als auf rein rationalen Argumenten, und
  • entschiedenes Handeln statt des Verfallens in endlose, lähmende Analysen („Paralyse durch Analyse“).


In der zweiten Hälfte seines Vortrags geht Birkinshaw auf alternative Managementmodelle wie Meritocracy, Adhocracy und Emocracy ein, die Unternehmen dabei helfen können, diese neuen Quellen von Wettbewerbsvorteilen in der Post-Wissensära erfolgreich zu erschließen.

 

Stefan Gross-Selbeck: Business Model Innovation – Sich im eigenen Spiel schlagen

Als ehemaliger Xing-Chef und jetziger Managing Director von BCG Digital Ventures hat Stefan Gross-Selbeck viel Erfahrung sowohl was das erfolgreiche Launchen von Internet Start-ups betrifft als auch in Bezug auf die Frage, was große etablierte Unternehmen von diesen in strategischer Hinsicht lernen können. In diesem spannenden TED-Talk erklärt er, dass im digitalen Zeitalter Disruptionen nicht durch Technologien, sondern durch Unternehmen hervorgerufen werden, die in der Lage sind, einen Teil der Wertschöpfungskette neu zu definieren und darauf aufbauend die Business-Architektur einer gesamten Industrie zu revolutionieren—und  zwar nicht nur einmal, sondern immer wieder aufs Neue! Auf diese Weise können sie einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil erzielen. Ein gutes Beispiel für dieses Vorgehen ist Netflix, das zunächst den stationären Videoverleih durch sein Versandmodell innerhalb kurzer Zeit obsolet gemacht hat und später durch die Umstellung auf Streaming-Services sich selbst ebenso wie das klassische Fernsehen disruptiert hat.



Rita McGrath: Lernen durch „intelligentes Versagen“

Während sich die Idee des lebenslangen Lernens in vielen Unternehmen längst rumgesprochen und etabliert hat, ist es mit der Erkenntnis, dass zum Lernen nun auch mal das Fehlermachen gehört, noch nicht allzu weit her. Viele Manager halten Fehler nach wie vor für ein Zeichen von Schwäche, das nicht nur die eigene Karriere, sondern vor allem auch die Position gegenüber konkurrierenden Unternehmen schwächen kann. Die Columbia Business School Professorin und „Strategie-Queen” Rita McGrath sieht dies anders und ist überzeugt, dass das rasche Lernen aus Fehlern ein wichtiger Vorteil im heutigen von Schnelllebigkeit geprägten Wettbewerbsumfeld sein kann. Vorausgesetzt  jedoch, dass es sich dabei um „intelligentes Versagen“ handelt. Damit meint sie, dass es einen soliden Prozess gibt, der sicherstellt, dass:

  • Aktivitäten sorgfältig geplant sind, sodass ersichtlich wird, warum etwas schief gegangen ist, wenn denn schief gegangen ist,
  • Risiken überschaubar bleiben,
  • mögliche negative Folgen kontrollierbar sind und
  • Mechanismen vorhanden sind, um das aus den Fehlern Gelernte innerhalb des Unternehmens zu teilen.



Forrester Research: Kunden-Besessenheit

Das Technologie- und Marktforschungsunternehmen Forrester Research glaubt, dass Kunden-Besessenheit „der einzige Wettbewerbsvorteil“ heutzutage ist. Mit „Besessen“ meinen sie die „laserscharfe Fokussierung“ auf die Kunden. Sprich die Fähigkeit, ihnen jeden Wunsch von den Augen abzulesen und jeden ihrer Schritte genau vorherzusagen. Warum jetzt? Weil Kunden mehr Entscheidungsmöglichkeiten als jemals zuvor haben, weil sie durch Technologie in ihrer Position gestärkt sind und weil sie höhere Erwartungen an Unternehmen stellen, erklärt Cliff Condon, Chief Research Officer bei Forrester. Umfragen unter Führungskräften haben jedoch branchenübergreifend ergeben, dass die strategischen Planungsprozesse der meisten Unternehmen der Verbesserung der Kundenakquise und -bindung nicht ausreichend Priorität einräumen, sagt Kyle McNabb, Forrester VP, Research Strategy.



Shawn Achor: Zufriedenheit

In diesem mitreißenden Vortrag vor Google-Mitarbeitern erklärt Shawn Achor, Autor der internationalen Bestseller The Happiness Advantage und Before Happiness, dass die Zufriedenheit der Mitarbeiter einer der größten Wettbewerbsvorteile überhaupt ist. Anschaulich schildert er, dass wir Menschen häufig den Fehler begehen, unser persönliches Glück auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Ganz nach dem Motto, wenn ich dieses Ziel erreicht oder jenes Projekt abgeschlossen habe, dann bin ich glücklich. Das Problem ist nur, dass wir, sobald wir ein Ziel erreicht haben, dazu tendieren, uns gleich wieder ein neues Ziel zu stecken. Also höchstens punktuell Glück und Zufriedenheit empfinden können. Achor aber ist überzeugt, dass wir die Wahl haben, auch längerfristig glücklich zu sein und dass dieses Glück die Voraussetzung für Erfolg ist, und nicht umgekehrt. Er zitiert zahlreiche Studien, wonach branchenübergreifend die Produktivität und der Umsatz von Unternehmen um 31% bzw. 37% steigen, wenn die Mitarbeiter zufrieden sind. Zudem leben sie länger und verweilen auch länger im Unternehmen. Insbesondere indem sie das soziale Umfeld verbessern, so Achor, können Unternehmen einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass Mitarbeiter optimistischer gestimmt sind und Stress nicht als Bedrohung, sondern als Herausforderung wahrnehmen, die es zu meistern gilt.