Save-to-Grow-Strategien immer beliebter

Donnerstag, 08. September 2016

„Sparen, um zu wachsen“ – Was sich beinahe nach einem Slogan der Schwarzen-Null-Politik von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble anhört, scheint in Wirklichkeit für immer mehr Unternehmen eine erfolgsversprechende Strategie zu sein, um in wirtschaftlich und politisch unsicheren Zeiten international wettbewerbsfähig zu bleiben. Studien der Unternehmensberatung Deloitte belegen, dass der Trend mittels Kosteneinsparungen Wachstumsinitiativen zu finanzieren in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Und zwar ganz unabhängig von der jeweiligen finanziellen Performance der Unternehmen.

In den Jahren 2012 und 2016 untersuchte Deloitte das Kostenmanagement von jeweils über 200 US-basierten Fortune 1000 Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen und fand heraus, dass der Anteil der Unternehmen, die Kostenreduktionsprogramme innerhalb der nächsten 24 Monate planen, von 76 % auf heute 88 % gestiegen ist. Und dies gilt für Unternehmen mit steigenden und sinkenden Umsätzen gleichermaßen. Die Autoren sprechen hier von einem Paradox, wonach die Unternehmen gleichzeitig aggressives Wachstum und aggressive Kostenverbesserungen anstreben. So gab 2016 ein Viertel der befragten Unternehmen an (26 %), dass ihre Kostenreduktionsprogramme auf Einsparungen von 10 – 20 % abzielten. Und ein Drittel der Unternehmen (33 %) peilten sogar Einsparung von mehr als 20 % an. 2012 waren es noch 11 % der Unternehmen gewesen, die derart ambitionierte Einsparungsziele verfolgten. Als die wichtigsten Treiber für die Kostenreduktionsprogramme nannten die befragten Unternehmen das Erringen von Wettbewerbsvorteilen gegenüber Konkurrenten sowie notwendige Investitionen in Wachstumsbereiche, sprich beides wachstumsorientierte Geschäftsfaktoren.

Die Autoren erklären diesen Trend vor allem damit, dass die heimische Wirtschaft in den USA in den letzten Jahren zwar erheblich an Fahrt aufgenommen hat, Märkte in anderen Regionen der Welt jedoch ins Straucheln geraten sind. Entsprechend seien multinational ausgerichtete Unternehmen in den USA auf Kosteneinsparungen angewiesen, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Eine Entwicklung, die durchaus auf deutsche Unternehmen übertragbar ist. Hinzu kommen andere Faktoren, die Unternehmen zu einem effektiven Kostenmanagement zwingen, wie schwankende Rohstoffpreise, digitale Disruption, politische Instabilität, staatliche Regulierung und zunehmender Wettbewerb. 

Ein weiteres interessantes Ergebnis der beiden Studien ist, dass nicht nur der Anteil aggressiver Kostensenkungsprogramme gestiegen ist, sondern auch deren Misserfolgsquote. Während 2012 knapp die Hälfte der Kostensenkungsprogramme gescheitert sind (48 %), waren es 2016 beinahe zwei Drittel (58 %). Den Hauptgrund hierfür sehen die Autoren der Studien vor allem darin, dass sich die Unternehmen in erster Linie auf taktische Maßnahmen wie die Optimierung von Geschäftsprozessen, Ausgabenreduzierungen oder Compliance-Verbesserungen konzentrierten. Dies, so die Autoren, sei zwar auf kurze Sicht gesehen hilfreich, reiche aber bei weitem nicht aus, um aggressive Sparziele zu erreichen. Hierfür seien vielmehr strategische Maßnahmen nötig; d. h. großangelegte Umstrukturierungsmaßnahmen wie eine verstärkte Zentralisierung oder das Outsourcing/Offshoring von nicht strategierelevanten Kompetenzen.

Um Kostenmanagementprogramme effektiver zu gestalten, empfehlen die Autoren u. a. eine neue Managementposition zu schaffen, die speziell für die Steuerung und Überwachung des Kostenmanagements zuständig ist, verbesserte Prognose-, Budgetierungs- und Reportingprozesse einzuführen und moderne IT Infrastruktur und Business Intelligence Software einzusetzen.