Strategische Technologietrends 2013

Dienstag, 08. Januar 2013

Einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren in der strategischen Planung ist die fortlaufende Beobachtung und Analyse des externen Geschäftsumfelds. Neben wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen, sind dabei stets auch technologische Trends im Auge zu behalten und auf ihre möglichen Auswirkungen auf die Unternehmensstrategie hin zu durchleuchten. Aus diesem Grunde wollen wir uns heute der Frage widmen, welche technologischen Trends von strategischer Bedeutung uns in diesem Jahr voraussichtlich beschäftigen werden. In einem kürzlich erschienenen Bericht hat das weltweit führende IT-Marktforschungsunternehmen Gartner bereits eine Prognose diesbezüglich gewagt.

Als strategische Technologien definiert Gartner solche Technologien, die den Unternehmenserfolg langfristig und nachhaltig beeinflussen können. Sie können sich störend auf den Markt auswirken, umfangreiche Investitionen erforderlich machen oder aber das Risiko bergen, dass man sie sich nicht rechtzeitig zunutze macht und dadurch im Wettbewerb den Anschluss verliert. Umgekehrt können Unternehmen, die strategische Technologietrends frühzeitig identifizieren und sich dem Wandel rasch anpassen, Wettbewerbsvorteile für sich sichern. In der strategischen Planung müssen diese Technologien daher besondere Berücksichtigung finden.

Gartner hat insgesamt 10 Top Technologietrends ausgemacht, die Führungskräfte, Strategen und IT-Manager im Rahmen ihrer strategischen Planungsprozesse in den nächsten drei Jahren im Auge behalten sollten. Einige dieser Trends, wie Cloud Computing und mobile Anwendungen, werden Ihnen sicherlich schon bekannt vorkommen. Diese werden sich weiter fortsetzen und in den kommenden Jahren eine zusätzliche Dynamik entfalten.

  • Die Schlacht der Mobilgeräte
    Gartner geht davon aus, dass mobile Geräte den PC noch in diesem Jahr endgültig als meist genutztes Internet-Zugangsgerät ablösen werden. Der Mobile Commerce wird damit weiter an Bedeutung gewinnen. Um bestehende Kunden zu halten und neue zu gewinnen, werden auch kleine und mittlere Unternehmen künftig nicht mehr umhinkommen, ihre Produkte und Dienstleistungen über mobile Kanäle anzubieten.

  • Mobile Anwendungen und HTML5
    Während Native Apps, die auf spezielle Betriebssysteme oder Geräte zugeschnitten sind, auch weiterhin beliebt sein werden, ist der Siegeszug der HTML5 basierten Web-Apps längerfristig nicht mehr aufzuhalten. Web-Apps können über den Browser von allen gängigen internetfähigen Endgeräten aufgerufen werden. Diese Plattformunabhängigkeit hat den großen Vorteil, dass Unternehmen nur noch eine App für alle Betriebssysteme entwickeln müssen. Dadurch können sie die maximale Zahl an Nutzern erreichen und gleichzeitig IT-Ressourcen einsparen. Stellen Sie also sicher, dass Ihr IT-Personal entsprechende Schulungsmöglichkeiten erhält, um sich mit dem neuen Standard rechtzeitig vertraut zu machen.

  • Personal Cloud
    Nach Einschätzung von Gartner wird sich unser digitales Leben  künftig in den Clouds abspielen. Die Personal Cloud wird den PC schrittweise als den Ort ersetzen, an dem Nutzer ihre persönlichen Inhalte aufbewahren, Zugang zu Online Diensten finden und persönliche Präferenzen festlegen können. Das Marktforschungsunternehmen geht davon aus, dass Nutzer die Personal Cloud als mobilen, jederzeit verfügbaren Ort sehen werden, auf den sie für alle ihre digitalen Belange zugreifen können. Als Folge werden Client-Geräte zugunsten von Cloud-basierten, plattformunabhängigen  Dienstleistungen an Bedeutung verlieren.

  • Enterprise App Stores
    In der Unternehmenskommunikation erfreuen sich Apps immer größerer Beliebtheit. Gartner glaubt, dass bis zum Jahr 2014 viele Unternehmen eigene App-Stores entwickeln werden, um ihren Mitarbeitern mobile Anwendungen zur Verfügung zu stellen.

  • Internet der Dinge
    Das "Internet der Dinge" ("Internet of Things"), also die Vernetzung von intelligenten Alltagsgegenständen, ist einer der größten Zukunftsmärkte. Durch moderne Technologien wie Sensoren, Bilderkennungstechniken und die Bezahlung über NFC (Near-field Communication), können diese "Dinge" eigenständig Daten erheben, kommunizieren und Vorgänge steuern. Hier ergeben sich viele neue Anwendungsmöglichkeiten, die allerdings auch mit großem Entwicklungs- und Investitionsaufwand verbunden sein werden. GE beispielsweise hat diesen Trend unlängst erkannt und angekündigt, alle seine Maschinen und Geräte künftig mittels Sensoren konsequent zu vernetzen. 1,5 Milliarden Dollar ist das Unternehmen bereit in den nächsten drei Jahren zu investieren, um in diesem neuen Markt ganz oben mitzuspielen.

  • Hybride IT und Cloud Computing
    Der unaufhaltbare Vormarsch des Cloud Computing wird die Rolle von IT-Abteilungen nachhaltig verändern. Ihnen wird immer mehr die Aufgabe zuteilwerden, die Bereitstellung und Nutzung der von Natur aus verteilten, heterogenen und oft komplexen Cloud Services zu managen - und dies sowohl für interne Anwender als auch externe Geschäftspartner. Gartner bezeichnet diese Vermittlerrolle als Cloud Services Brokerage (CSB) und prognostiziert, dass IT-Abteilungen damit ein Mittel an die Hand gegeben wird, ihre Bedeutung und ihren Einfluss innerhalb des Unternehmens zu bewahren.

  • Strategic Big Data
    Die Analyse und Verknüpfung von Big Data aus unterschiedlichen Quellen kann Unternehmen dabei helfen, Wettbewerbsvorteile zu erlangen, neue Geschäftsfelder zu identifizieren und Einsparungspotenziale zu generieren. Viele Unternehmen haben die Bedeutung von Big Data längst für sich erkannt, scheinen jedoch von dem bisher gehegten Traum, alle Daten in einem einzigen unternehmensweiten Data Warehouse zusammenzuführen, immer mehr abzukommen. Der Trend geht, laut Gartner, vielmehr dahin, unterschiedliche Systeme für Content Management, Data Warehousing, "Datenmärkte" und andere Spezialaufgaben einzusetzen und diese über Datenservices und Metadaten miteinander zu verknüpfen. Auf diese Weise entstehe ein übergreifendes "logisches" Data Warehouse.

  • Analysen jederzeit und überall
    Bereits erwähnte Technologien, wie Cloud-Computing, mobile Anwendungen und Big Data Warehouses, ermöglichen es zunehmend, schnell, einfach und ortsunabhängig Analysen und Simulationen von Geschäftsvorgängen vorzunehmen. Dadurch wird die Entscheidungsflexibilität im Unternehmen deutlich erhöht.

  • In Memory Computing
    In Memory Computing (IMC) ist eine der Grundlangentechnologien, die Echtzeitanalysen von Big Data auch über mobile Anwendungen ermöglicht. SAP hat sich mit seinem HANA IMC System bereits eine Vorreiterrolle auf diesem neuen Markt sichern können. Laut Gartner werden andere Anbieter bald nachziehen, sodass diese Technologie in naher Zukunft in den Unternehmensalltag Einzug halten wird.

  • Integrierte Systeme
    Gartner macht einen deutlichen Trend hin zu integrierten IT-Systemen aus. Treiber hinter dieser Entwicklung ist der Wunsch der Verbraucher nach geringeren Kosten sowie höherer Usability und  Datensicherheit. Virtual Appliances werden immer beliebter.

 

Die Bedeutung der einzelnen Trends mag je nach Branche und Betriebsgröße variieren. Nichtsdestotrotz sollten Sie sich die Mühe machen und gründlich abwägen, ob und wenn ja inwiefern diese Trends sich auf ihre Wettbewerbssituation künftig auswirken und wie Sie sich mögliche Chancen zunutze machen könnten.