Szenarioplanung als Erfolgsfaktor für ein Unternehmen

Freitag, 16. November 2012

Bei meinem Besuch auf dem Horváth-Strategie-Netzwerk habe ich für mich eine sehr wichtige Erkenntnis mitgenommen: Eine vollständig durchdachte Szenarienplanung ist wichtig für den Erfolg des Unternehmens! Warum ist das so? Sehen wir uns erst einmal eine ganz formal-klassische Definition von Szenarien an:

Der Zweck von Szenarien liegt darin, die Aufmerksamkeit der Verwender auf kausale Prozesse und Entscheidungspunkte zu lenken. Dazu wird bei ihrer Erstellung eine hypothetische Sequenz von Ereignissen konstruiert. Mögliche Ereignisse und Entwicklungen, die zu einem bestimmten relevanten Feld gehören (z.B. Bevölkerung von Europa), sich auf eine bestimmte Zeitperiode beziehen sowie auf irgendeine Art untereinander verbunden sind, bilden demnach ein Szenario. (http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/szenario-technik.html)

Schauen wir uns diese, zugegebenermaßen etwas verkopfte, Definition an, dann erkennen wir, dass zur Szenarioplanung mehr gehört, als mal eben an der Preisschraube zu drehen um festzustellen, wie sich der Umsatz verändert.

Um besagte kausale Prozesse und Ereignisse konsequent zu berücksichtigen, ist es unbedingt notwendig, die betroffenen Kernthemen der strategischen Planung auf dieses Szenario hin zu durchdenken.
Das heißt, derjenige bzw. diejenigen, die die strategische Planung szenarienbasiert durchführen, müssen sich auf diese „alternativen Welten" einlassen und unter den geänderten Aspekten eine alternative, angepasste strategische Planung durchführen. Damit ist es möglich, dem Top-Management eine gesicherte Entscheidungsvorlage zu liefern und verständlich darzustellen, wohin die Reise gehen kann.

Manche mögen das vielleicht als übertrieben oder zu aufwendig ansehen, in letzter Konsequenz die strategische Planung mit mehreren Alternativen vorzuhalten. Man darf allerdings nie vergessen, was die strategische Planung genau ist: Nämlich der Weg zu einem langfristig erfolgreichen Unternehmen! Ist es dann nicht eigentlich verantwortungslos, wenn man das Fundament für den Erfolg bereits bröckeln lässt, weil man ein mögliches Szenario nicht entsprechend behandelt?

Denken wir doch einmal ein einfaches Beispiel durch. Die Kernthemen der strategischen Planung sind in der Regel die Vision des Unternehmens, Marktaspekte (von den Marktteilnehmern bis hin zur Marktentwicklung), Trends, SWOT-Analyse, Ziele und Maßnahmen und Planzahlen für die messbare Entwicklung des Unternehmens.

Nun stellen Sie sich einen Automobilhersteller vor, der bislang eher auf sportliche, schnelle Autos gesetzt und sich entsprechend positioniert hat. Dieser Hersteller glaubt nun, dass sich das ökologisch bewusste Konsumverhalten immer mehr verbreitet und in Verbindung mit den steigenden Benzinpreisen sich ein Verbraucherwandel einstellen wird. Also setzt er auf Elektroautos und entwickelt seine Maßnahmen entsprechend dem Ziel „Entwicklung eines Elektroauto mit einer gleichen Reichweite wie ein Benzinmotor und vergleichbarere Schnelligkeit bis 2020".

Genau zwei Teilbereiche hat er berücksichtigt: Den Trend und die Entwicklung von Zielen und Maßnahmen. Wahrscheinlich hat er das Ganze noch mit Planzahlen hinterlegt.

Was aber ist mit den Marktgegebenheiten, die sich geändert haben? Die Zielgruppe wird neu adressiert, es ist also eine Umpositionierung nötig. Eventuell entwickelt sich daraus ein komplett neues Marktsegment? Oder ein altes Segment fällt weg! Die eigenen Stärken und Schwächen werden durcheinandergewürfelt und natürlich findet man sich ganz anderen Risiken gegenübergestellt, als in dem Segment der Sportwagen, das der Hersteller seit Jahren kennt. Auch die Wettbewerbssituation wird sich verschieben.

Sie sehen also, um eine tragfähige, erfolgsversprechende strategische Planung zu entwickeln, muss man sich in seine „Szenariowelt" hineindenken, um für das Top-Management eine qualitativ hochwertige Entscheidungsvorlage zu liefern.

Alexander Zimmermann, CEO SOLYP Informatik GmbH