Szenarioplanung mit SOLYP3

Mittwoch, 06. November 2013

Von der wachsenden Bedeutung von Szenarien für den langfristigen Unternehmenserfolg war an dieser Stelle schon häufiger die Rede. Szenarien sind zwar nicht, wie viele Führungskräfte es sich vielleicht wünschen würden, eine magische Glaskugel, mit deren Hilfe sich die Zukunft exakt vorhersagen lässt. Jedoch helfen sie uns dabei, die Zukunft systematisch zu betrachten und so denkbare langfristige Veränderungen im Unternehmensumfeld frühzeitig zu erkennen.

Dieses Vorausdenken ermöglicht es Unternehmen, flexibel zu planen und konkrete strategische Handlungsoptionen für alternative Zukunftsbilder zu entwickeln. Auf diese Weise werden sie später von den Ereignissen nicht einfach überrollt, sondern sind optimal darauf vorbereitet und können entsprechend agil reagieren. In Zeiten immer dynamischer und komplexer werdender Marktumfelder ist dies wichtiger denn je. Die Fähigkeit, schneller als die Konkurrenz auf neue Entwicklungen reagieren zu können, stellt einen wichtigen Wettbewerbsvorteil dar.

Die Szenarioplanung besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen: der Szenarioentwicklung und dem Szenariotransfer.

Szenarioentwicklung

Die Szenarioentwicklung ist ein partizipatorischer Prozess, der typischerweise in Workshops stattfindet. Hierbei wird zunächst das Problemfeld definiert und eine grobe Analyse des Ist-Zustands vorgenommen. Das Problemfeld kann eine Branche, ein Markt oder das gesamte Geschäftsumfeld sein. Anschließend gilt es, die Schlüsselfaktoren, welche wahrscheinlich die künftige Entwicklung des Problemfelds beeinflussen, zu identifizieren, ihre Entwicklungsmöglichkeiten zu prognostizieren und ihre Wirkungsbeziehungen zu analysieren. Die Schlüsselfaktoren werden daraufhin zu Annahmebündeln, den sogenannten „Rohszenarien“, zusammengefasst und auf ihre Konsistenz und Plausibilität hin überprüft. Von diesen werden schließlich zwei bis drei Szenarien ausgewählt und ausformuliert. 

Die Szenarioentwicklung ist überaus komplex. Es müssen unzählige Einflussfaktoren aus dem wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, technischen und ökologischen Umfeld des Unternehmens ermittelt, miteinander kombiniert und immer wieder neu durchgespielt werden. Hierfür ist es unerlässlich, alte Denkweisen über Bord zu werfen und ein hohes Maß an Offenheit an den Tag zu legen. „Outside-the-box“-Denken sowie die Betrachtung des Problemfelds aus allen möglichen Blickwinkeln heraus ist entscheidend. Daher sollten idealerweise nicht nur interne Führungskräfte und Fachspezialisten, sondern auch externe Experten und Stakeholder (z.B. Kunden, Zulieferer, Händler) an Szenarioworkshops teilnehmen.

Szenariotransfer

Der zweite Teil des Szenariotransfers beinhaltet die Analyse der Chancen und Risiken der ausgewählten Szenarien sowie darauf aufbauend die Entwicklung von geeigneten Strategien (Gausemeier et al., 1996). Hierbei kann die strategische Planungssoftware SOLYP3 wertvolle Hilfestellung leisten. In SOLYP3 ist es möglich, mehrere Szenarien anzulegen, einer Wirkungsanalyse zu unterziehen und konsequent durchzuplanen, sodass valide, alternative Strategien entstehen.

Und so funktioniert es:

  • Anlegen von Szenarien in SOLYP3
    Die von der Unternehmensführung verantworteten Szenarien werden zentral in SOLYP3 angelegt und beschrieben. Anschließend stehen sie über digitale Fragebögen allen strategischen Planungseinheiten zur individuellen Bearbeitung zur Verfügung. Hierbei wird zwischen dem Hauptszenario, das am wahrscheinlichsten gilt, und den alternativen Szenarien unterschieden. Gibt eine Planungseinheit für ein alternatives Szenario keine Daten ein, werden automatisch die Werte aus dem Hauptszenario verwendet. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn ein Szenario auf bestimmte Regionen oder Unternehmenssparten nicht anwendbar ist. Darüber hinaus haben die Planungseinheiten die Möglichkeit, individuelle Szenarien anzulegen, die ausschließlich von ihnen selbst bearbeitet werden können.

  • Auswahl der Szenarien
    Die Planungseinheit wählt zunächst das Szenario aus, das sie bearbeiten möchte. Im nachfolgenden Beispiel ist das Hauptszenario ausgewählt. 

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    Abb. 1 Szenarioauswahl in SOLYP3

  • Wirkungsanalyse
    Als nächstes gilt es im Rahmen einer umfassenden Wirkungsanalyse, die Folgen, Chancen und Risiken der Szenarien für das Unternehmen bzw. die Geschäftsfelder genauer zu untersuchen, um Handlungsoptionen zu identifizieren. Dies geschieht mithilfe klassischer Analysewerkzeuge wie der SWOT-, Trend- oder Wettbewerberanalyse. Diese können in SOLYP3 individuell zusammengestellt werden. SOLYP3 ist dabei in der Lage, sowohl harte als auch weiche Daten zu verarbeiten. Die beiden nachfolgenden Beispiele zeigen Trendanalysen des Hauptszenarios und eines Alternativszenarios.

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    Abb. 2 Trendanalyse des Hauptszenarios

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    Abb. 3 Trendanalyse eines Alternativszenarios

  • Strategieentwicklung
    Basierend auf der Wirkungsanalyse werden anschließend konkrete strategische Ziele und Maßnahmen für das Szenario entwickelt. Sind alle Daten eingegeben, wird der Vorgang für die übrigen Szenarien wiederholt. Auf diese Weise werden für alle Szenarien vollständige und in sich schlüssige Strategien entwickelt.

  • Reporting
    Im Reporting besteht die Möglichkeit, sich auf einzelne Szenarien zu fokussieren oder aber mehrere miteinander zu vergleichen. Letzteres geschieht in SOYLP3 auf Knopfdruck, z.B. innerhalb automatisch generierter Diagramme.

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    Abb. 4 Ausgabe als Dashboard


Fazit

Die Einbeziehung von Szenarien erhöht die Komplexität und den Zeitaufwand der strategischen Planung erheblich. Dies ist wohl einer der Gründe, warum viele Unternehmen sich bisher davor gescheut haben, ihre strategische Planung szenariobasiert durchzuführen. Insbesondere in schnelllebigen Branchen ist es jedoch unerlässlich, sich frühzeitig auf mögliche Veränderungen im Marktumfeld einzustellen, um nicht ins Hintertreffen zu geraten. Spezialsoftware kann Unternehmen in diesem Prozess aktiv unterstützen, indem sie eine strukturierte Datenerfassung und -analyse ermöglicht.



Literatur


Gausemeier, J., Fink, A., & Schlake, O. (1996). Szenario-Management: Planen und Führen mit Szenarien. 2., bearbeitete Aufl. München: Hanser.