Warum Strategien scheitern - Ein Webinar Nachbericht

Mittwoch, 19. Juni 2013

Am 14. Juni haben die SOLYP Informatik GmbH und orange, green & water gemeinsam ihr erstes internationales, englisch sprachiges Webinar veranstaltet. Wir waren sehr erfreut, Teilnehmer aus Nordamerika, Europa, dem Nahen Osten und China willkommen heißen zu dürfen. Unter den Referenten waren Dr. Alexander Fink, Geschäftsführer der ScMI AG, Carsten Sambraus, Managing Partner von orange, green & water, Alexander Zimmermann, CEO der SOLYP Informatik GmbH, und Danaë Huijser, Geschäftsführerin der CMC-Europe. Sie alle versuchten, eine Antwort auf eine der wichtigsten Fragen der Strategiearbeit zu finden: Warum scheitern Strategien? Dabei gingen sie das Problem von sehr unterschiedlichen Blickwinkeln aus an.

Nicht gewappnet sein für die Zukunft

Die Antwort von Dr. Alexander Fink auf die Frage lautete: "Strategien scheitern oftmals, weil wir an der Bewältigung der Zukunft scheitern." Er führte weiter aus, dass es grundsätzlich drei verschiedene Ebenen gibt, auf denen sich Unternehmen mit der Zukunft auseinandersetzen:

Fink Grafik de

  • Prognosen: Der klassische und grundlegendste Ansatz besteht darin, historische Daten in die Zukunft zu extrapolieren. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf quantitativen Daten. Während dieser Ansatz auf kurze Sicht mitunter erfolgreich sein kann, ist er für die lang- und selbst mittelfristige strategischen Planung sowie für sehr volatile und unsichere Umfelder, in denen sich viele Unternehmen heute bewegen, eher ungeeignet.

  • Trends: Die Trendanalyse ist eine weitere beliebte Methode, das eigene Unternehmen auf die Zukunft vorzubereiten. Ihr Zweck ist es, aktuelle wirtschaftliche, soziale und technologische Faktoren und Muster im externen Unternehmensumfeld, die wahrscheinlich Einfluss auf den Unternehmenserfolg haben werden, zu identifizieren und zu bewerten. Dieser Ansatz wird verwendet, um sowohl Opportunitäten als auch potenzielle Risiken aufzudecken. Die Trendanalyse basiert vor allem auf qualitative Daten und konzentriert sich meist auf die mittelfristige Zukunft.

  • Szenarien: Szenarien helfen Unternehmen, verschiedene Zukünfte vorherzusehen und hohe Unsicherheiten zu meistern. Im Gegensatz zu den beiden anderen Methoden, bieten Szenarien plausible, umfassende Bilder möglicher Zukünfte, die in der langfristigen strategischen Planung Anwendungen finden. Das Erstellen von Szenarien erfordert sowohl "zukunftsoffenes" Denken, d.h. ein Nachdenken über die Zukunft ohne sie exakt vorhersagen zu wollen, und "systemisches Denken", das darauf ausgerichtet ist, die Wechselwirkungen innerhalb komplexer Systeme zu begreifen.

Fink erklärte weiter, wie Zukunftsszenarien entwickelt und in der strategischen Entscheidungsfindung berücksichtigt werden können. Dabei stellte er den Webinarteilnehmern einen von der ScMI AG entwickelten Ansatz vor, den sein Kollege Dr. Andreas Siebe in einem unserer vorherigen deutschsprachigen Webinare vorgestellt hat und daher dem einen oder anderen Leser bereits bekannt sein dürfte.


Unklarheit über die eigenen Ziele und Fähigkeiten

Ein weiterer häufiger Grund, warum Strategien scheitern, ist laut Carsten Sambraus, dass viele Unternehmen keine klare Vision davon haben, was sie sein wollen und wie sie dorthin gelangen. Er präsentierte eine Vielzahl von sogenannten Insight Facilitation Tools - wie den Customer Activity Cycle, McKinsey Brand Identity Diamond, Competitive Radar Map, Business Structure Assessments und Real-Win-Worth Assessment - die zusammen genommen Unternehmen dabei helfen, ihre jeweiligen Kernkompetenzen, den Mehrwert, den sie dem Kunden zu bieten haben, den Grad an Kundenzufriedenheit sowie ihre Fähigkeit, sich am Markt durchzusetzen, zu identifizieren und kritisch zu beurteilen. Es ist wirklich erstaunlich, wie viele Unternehmen sich über diese grundlegenden Fragen nicht im Klaren sind.

In diesem Zusammenhang erwähnte Sambraus, dass Unternehmen, wenn sie denn eine solide Strategie entwickelt haben, dafür Sorge tragen müssen, diese auch richtig an die Mitarbeiter zu kommunizieren. Sprich auf eine Weise, die inspirierend und motivierend wirkt zugleich aber auch deutlich macht, wie die gesteckten Ziele zu erreichen sind. Mit dem einfachen Aufzählen von Umsatzvorgaben und anderen Finanzkennzahlen ist es hier sicherlich nicht getan. Stattdessen, riet Sambraus den Webinarteilnehmern, sollten Unternehmen „Strategic Stories“ verfassen, die den Mitarbeitern die Gründe darlegen, warum ein strategischer Richtungswechsel notwendig ist, und ein kraftvolles mentales Bild kreieren, das sich tatsächlich in ihren Köpfen festsetzt.

Mangelnde Berücksichtigung relevanter Daten

Für Alexander Zimmermann ist das Fehlen geeigneter Werkzeuge zur Verarbeitung und Analyse strategischer Daten ein weiterer Grund, warum es Unternehmen häufig nicht gelingt, robuste Strategien zu entwickeln und erfolgreich umzusetzen. Als Lösung präsentierte er die strategische Planungssoftware SOLYP3, entwickelt von der SOLYP Informatik GmbH, die auf vier Grundprinzipien:

  • Das systematische Einsammeln aller strategischen Kerndaten von allen strategischen Planungseinheiten über vordefinierte digitale Fragebögen. SOLYP3 fungiert als zentraler Speicher für das strategische Wissen eines Unternehmens, auf den jederzeit und von überall zugegriffen werden kann.

  • Die Berücksichtigung und Verknüpfung weicher und harter Daten

  • Die vollständige Abdeckung des gesamten strategischen Planungsprozesses mit einem einzigen Werkzeug

  • Intelligente Datenanalyse auf Knopfdruck

Die Software kann an den individuellen strategischen Planungsprozess des Unternehmens angepasst werden und ist in allen Branchen einsetzbar. Für alle, die mehr erfahren wollen, gibt es hier ein Video mit einer Zusammenfassung des Vortrages von Alexander Zimmermann:

 

Fehlende kulturelle Intelligenz

Interkulturelle Teams sind in der heutigen globalisierten Welt eher die Regel als die Ausnahme. Wenngleich diese kulturelle Vielfalt für viele Unternehmen eine große kommunikative Herausforderung darstellt, hat sie auch ihre positiven Seiten, meint Danaë Huijser. Das Arbeiten mit gemischten Teams sorgt dafür, dass Probleme aus allen möglichen Perspektiven heraus betrachtet werden, und führt eher zu kreativen und innovativen Lösungen. Kulturelle Intelligenz ist zu einem wichtigen Faktor für den Unternehmenserfolg worden. Huijser skizzierte drei Schritte, wie Unternehmen es schaffen können, aus interkultureller Zusammenarbeit Vorteile zu ziehen:

  • Zunächst müssen wir uns unserer eigenen kulturellen Identität und deren Einfluss auf unsere Wahrnehmung, unsere Ansichten und Verhaltensweisen bewusst werden. Menschen neigen dazu, zu glauben, dass ihr Weg der "normale" sei und nicht in Frage gestellt werden könne. Wir müssen lernen zu akzeptieren, dass es in Wirklichkeit auch viele andere Möglichkeiten gibt, mit Situationen umzugehen.

  • Sobald wir uns unseres kulturellen Selbsts bewusst sind, tendieren wir deutlich eher dazu, Wertunterschiede als etwas Positives zu schätzen. Wir sind offener dafür, anderen zu zuhören und von ihnen zu lernen, statt ihnen lediglich unsere eigenen Sichtweisen überzustülpen.

  • Wenn wir bereit sind, von anderen zu lernen, sind wir schließlich in der Lage, unsere individuellen Stärken miteinander zu verbinden, sodass eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten entsteht.   

Abschließend erklärte Huijser anhand einiger amüsanter Beispiele aus dem wahren Leben die Unterschiede zwischen Aufgaben-, Rollen-, Handlungs- und Prozess-orientierten Kulturen.


Videoaufzeichnungen von allen Präsentationen finden Sie auf der Webseite von orange, green & water. Wir möchten uns bei den Rednern und Webinarteilnehmern recht herzlich bedanken und hoffen, Sie auch beim nächsten Mal wieder begrüßen zu dürfen!