Webinar zum Thema „Strategy Deployment“ – ein Nachbericht

Donnerstag, 29. November 2012

Im dritten und vorerst letzten Teil der von orange, green & water und SOLYP gemeinschaftlich veranstalteten Webinar-Reihe ging es am Dienstag um das Thema:

"Der Skipper und die Crew - Navigation bei Wind und Wellen - Strategy Deployment"

Als Referenten standen erneut Dr. Andreas Siebe, Vorstandsmitglied der ScMI Scenario Management International AG, sowie Carsten Sambraus, Managing Partner der orange, green & water GmbH, zur Verfügung. Alexander Zimmermann von der SOLYP Informatik GmbH, der ebenfalls als Referent angekündigt war, war leider kurzfristig verhindert und konnte an dem Webinar nicht teilnehmen. Herr Sambraus war jedoch so freundlich, für ihn einzuspringen und eine kurze Zusammenfassung seines Vortrages zu präsentieren.

Strategischer Wechsel – Kurskorrekturen auf rauer See

Dr. Andreas Siebe bot in seinem sehr gelungen Vortrag zunächst einen kurzen Rückblick über die Themen Zukunftsmanagement und Szenarioplanung, mit denen er sich bereits im vorherigen Webinar beschäftigt hatte, und ging dann der spannenden Frage nach, wie man von der Entwicklung von Szenarien hin zu einer Strategie gelangt.

Siebe argumentierte, dass sich viele Unternehmen im Rahmen der Strategieentwicklung zu sehr auf die Gegenwart konzentrierten und sich nicht ausreichend Gedanken über die Zukunft machten, wodurch eine „Zukunftslücke“ entstehe. Da die strategische Planung aber stets langfristig angelegt sei, müssten mögliche zukünftige Marktentwicklungen und Handlungsoptionen besondere Berücksichtigung finden. Szenarien helfen, so Siebe, diese Lücke zu schließen. Sie sind als „Landkarte der Zukunft“ zu verstehen, die ein strategisches Navigieren ermöglichen. Das heißt, sie helfen uns dabei, eine Vorstellung davon zu entwickeln, wo wir eigentlich hin wollen. Zugleich zeigen sie uns mögliche „Wellenbewegungen“ und „Wetterlagen“ an, so dass wir in der Lage sind, jederzeit das Ruder rumzureißen und Kurskorrekturen vorzunehmen.

Die Entwicklung einer strategischen Stoßrichtung besteht im Wesentlichen aus den folgenden Schritten:

  • Entwicklung von Umfeldszenarien: Wie wird das Unternehmensumfeld (Markt, Wettbewerb, Technik etc.) künftig aussehen?
  • Entwicklung und Abwägen von Strategieszenarien: Welche Strategien und Konzepte können wir in der Zukunft verfolgen?
  • Vergleich von Strategie- und Umfeldszenarien: Wie gut eignet sich meine Strategie in einem bestimmten Umfeld?

    strategy deployment webinar

  • Entscheidung über die strategische Stoßrichtung: Verfolge ich diejenige Strategie, die für das Umfeldszenario, das am wahrscheinlichsten erachtet wird, am besten geeignet ist? (Prinzip der „Konzentration der Kräfte“) Oder aber stelle ich mich breiter auf und verfolge diejenige Strategie, die mehrere mögliche Szenarien (mal mehr, mal weniger gut) gleichzeitig abdeckt. Letzteres bedeutet mehr Aufwand, da Ressourcen gestreut werden müssen.

    • Unabhängig davon, welche Richtung eingeschlagen wird, sollte ein kontinuierliches Szenario-Monitoring betrieben werden, um, wenn nötig, jederzeit einen Strategiewechsel vornehmen zu können.



      Hoshin-Planung

      Als nächstes stellte Carsten Sambraus den Webinar-Teilnehmern die strategische Planungs- und Steuerungsmethode „Hoshin Kanri“ vor, die bereits in den 1950er Jahren in Japan entwickelt wurde und mittlerweile von namhaften Unternehmen wie Toyota, Nissan, Hewlett-Packard und Procter & Gamble erfolgreich eingesetzt wird. In Deutschland ist diese Methode hingegen noch relativ unbekannt und entsprechend wenig verbreitet.

      Wörtlich bedeutet der Begriff Hoshin Kanri in etwa  „Management durch eine Kompassnadel“ (Ho = Richtung, Shin = Nadel, Kanri = Management). Weitere Synonyme für Hoshin-Planung sind der amerikanische Begriff „Management by Policy“ bzw. „Mangement by Policy Deployment“ sowie der deutsche Begriff „Management durch gemeinsame, übergreifende Ziele“.

      Die wesentlichen Merkmale der Hoshin-Planung sind:

      • Ausrichtung der Aktivitäten des Unternehmens auf die gleiche Vision und die gleichen  übergreifenden Unternehmensziele
      • Beschränkung auf einige wenige Ziele, die für die Erreichung der strategischen Position von Bedeutung sind
      • langfristige Unternehmensausrichtung statt kurzfristige Ergebnisorientierung
      • Einbindung aller Führungskräfte und Mitarbeiter
      • Herunterbrechen von Zielen in einem systematischen Kaskadierungsprozess über alle Hierarchieebenen hinweg
      • Entwicklung von Maßnahmen, wie die Ziele zu erreichen sind
      • Ganzheitliches Vorgehen durch fortwährende horizontale und vertikale Integration aller beteiligten Funktionen und Hierarchieebenen
      • teamorientierte Organisation
      • eindeutige Festlegung von Verantwortlichkeiten
      • formalisierte Berichte (X-Matrix, Kontrollpläne, Lageberichte)
      • Durchführung regelmäßiger Review-Prozesse
      • kontinuierliche Verbesserung wichtiger Unternehmensprozesse


      Die Hoshin-Planung ist bestens geeignet, um eine Strategie erfolgreich auszurollen. Sie hilft sicherzustellen, dass alle Mitarbeiter den gleichen Kurs verfolgen. Darüber hinaus fördert der kontinuierliche Review-Prozess organisatorisches Lernen. Sambraus betonte, dass die Methode aufgrund ihrer Einfachheit und Übersichtlichkeit nicht nur in großen Unternehmen, sondern ebenso gut in mittelständischen Unternehmen Anwendung finden kann. Voraussetzung ist allerdings eine offene, partizipatorische und kooperative Unternehmenskultur.


      Abbildung des Hoshin-Prozesses in SOLYP3

      Abschließend zeigte Sambraus den Webinar-Teilnehmern kurz, wie der Hoshin-Prozess mit der strategischen Planungssoftware SOLYP3 abgebildet werden kann. SOLYP3 unterstützt die horizontale und vertikale Integration, die ein Hauptmerkmal der Hoshin-Planung ist, indem sie strategisch relevante Daten über Abteilungs- und Ländergrenzen hinweg zentral erfasst, miteinander verknüpft und intelligent analysiert. Dadurch wird der Informationsaustausch gefördert und die strategische Planung auf eine ganzheitliche Grundlage gestellt. Herr Zimmermann wird seinen Vortrag in unserem nächsten Webinar im Januar nachholen.

      Über die positive Resonanz zur gemeinsamen Webinar-Reihe haben wir uns sehr gefreut und hoffen, Sie auch im neuen Jahr in einem unser Webinare begrüßen zu dürfen.