Welche Rolle spielt der Chief Strategy Officer?

Donnerstag, 21. März 2013

Aus den Managementriegen großer multinationaler Konzerne ist er kaum mehr wegzudenken. Und auch in mittelständischen Unternehmen trifft man ihn inzwischen immer häufiger an. Die Rede ist vom Chief Strategy Officer (CSO). Empirische Studien aus den USA, Großbritannien und Deutschland belegen diesen weitläufigen Trend. Gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass die Rolle und Bedeutung des CSO von Unternehmen zu Unternehmen stark variieren kann. So bringen CSOs nicht nur die vielfältigsten Erfahrungen und Fähigkeiten in ihren Job ein, sondern nehmen auch unterschiedliche Aufgaben und Befugnisse wahr. Dennoch lassen sich grundsätzlich vier Typen von CSOs unterscheiden (Powell & Angwin, 2012; Menz et al., 2011):

  • Interne Berater
    Dieser Typ von CSO beschäftigt sich in erster Linie mit der Strategieformulierung, wobei er einen sehr strukturierten und systematischen Ansatz verfolgt: Er sammelt und analysiert alle strategisch relevanten Daten und Information, identifiziert und bewertet mögliche Handlungsoptionen und legt anschließend der Unternehmensführung seine Strategieempfehlungen vor. Für die spätere Umsetzung der Strategie sind die Geschäftsbereiche verantwortlich. Wie der Name bereits andeutet, nehmen diese Art von CSOs und ihre Teams eine beratende Rolle ein. Sie fungieren als neutrale Analysten, die bei strategischen Fragenstellungen jederzeit zu Rate gezogen werden können. Häufig stoßen sie neu zum Unternehmen dazu, nachdem sie zuvor in Unternehmensberatungen tätig waren, und nutzen die neue Position als Sprungbrett, um innerhalb des Unternehmens Karriere zu machen. Interne Berater finden sich meist in mittelgroßen, zentral organisierten Unternehmen sowie in wettbewerbsintensiven Branchen.

  • Spezialisten
    Beim zweiten Typ von CSO handelt es sich um Fachspezialisten, die für die Umsetzung strategischer Initiativen zuständig sind. Als Beispiel nennen Powell und Angwin Experten für Fusions- und Akquisitionsmanagement oder Lobbyisten, die auf staatliche Marktregulierung spezialisiert sind. Aufgrund der Sensitivität dieser Bereiche arbeiten sie häufig abgeschottet von anderen Abteilungen und berichten unmittelbar der Geschäftsleitung und dem Aufsichtsrat. Im Gegensatz zu internen Beratern arbeiten Spezialisten eher projektbezogen und wechseln entsprechend häufiger das Unternehmen. Für den deutschsprachigen Raum haben Menz et al. feststellen können, dass diese Art von CSO vornehmlich bei Finanzdienstleistern und Privatbanken sowie kleineren und mittleren Unternehmen mit zentraler Organisationsstruktur anzutreffen ist.

  • Coachs
    Coachs konzentrieren sich ebenfalls auf die Strategieformulierung, nehmen jedoch anders als interne Berater in erster Linie eine Moderatoren- und Vermittlerrolle zwischen den Geschäftsbereichen und der Unternehmensführung wahr. Sie versorgen die Leiter der einzelnen Geschäftsbereiche und deren Teams mit wichtigen Informationen und helfen ihnen dabei, erfolgsversprechende Strategien und Initiativen zu entwickeln, die die Zustimmung des CEO und des Aufsichtsrates finden. Enge Beziehungen zur Führungsspitze sowie gute Kommunikationsfähigkeit gehören zu den wichtigsten Vorrausetzungen, die ein Coach mitbringen sollte. Coachs werden branchenübergreifend in dezentral organisierten Unternehmen jeder Größe beschäftigt.

  • Change Agents
    Change Agents befassen sich mit der Strategieumsetzung. Sie unterstützen die einzelnen Geschäftsbereiche bei der gewissenhaften Implementierung strategischer Maßnahmen und Initiativen und sorgen dafür, dass die Abstimmung untereinander stimmt. Bei Change Agents handelt es sich meist um erfahrene Führungskräfte, die aus dem eignen Unternehmen heraus rekrutiert werden und dieses sehr gut kennen. Ähnlich wie bei den Coachs ist diplomatisches Geschick und politisches Feingefühl für eine erfolgreiche Ausübung dieser Rolle von zentraler Bedeutung. Change Agents verweilen häufig länger als andere CSOs in ihren Positionen und sind typischerweise in großen, dezentralorganisierten Unternehmen anzutreffen.

Das Einstellen eines CSO ist ein wichtiger Schritt, um sich wirkungsvoll für die strategischen Herausforderungen einer immer komplexer und volatiler werdenden Wirtschaftswelt zu rüsten. Welche Art von CSO am besten zu einem Unternehmen passt, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, wie der Betriebsgröße, der Organisationsstruktur, dem Diversifikationsgrad, der Dynamik des Unternehmensumfelds sowie der Phase des Strategieprozesses, in der am dringendsten professionelle Unterstützung gebraucht wird. Die vorgestellte Typologie kann Unternehmen bei der Definition der Position sowie der Auswahl eines geeigneten Kandidaten eine wertvolle Orientierungshilfe bieten.

 



Literatur

Breene, R.T.S., Nunes, P.F., & Shill, W.E. (2007). The chief strategy officer. Harvard Business Review, 85(10), S. 84 – 93.

Menz, M., Müller-Stewens, G., Henkel, C.B., & Reineke, B. (November 2011). Die vier Gesichter des Chefstrategen. Harvard Business Manager, 11, S. 6 – 9.

Powell, T.H, & Angwin, D.N. (Fall 2012). The role of the chief strategy officer. MIT Sloan Management Review. http://sloanreview.mit.edu/article/the-role-of-the-chief-strategy-officer/