Wie lang sollte der Planungshorizont sein?

Dienstag, 03. Januar 2012

Eine Frage, die viele Strategieverantwortliche umtreibt, ist, in welchem Zeithorizont geplant werden sollte: 1, 2, 3, 5 oder gar 10 Jahre? Leider lässt sich diese Frage nicht pauschal beantworten. Ob ein kurz-, mittel- oder langfristiger Planungszyklus angemessen ist, hängt im Wesentlichen von der Erkennbarkeit der Zukunft des Unternehmensumfeldes ab. Je besser man die Entwicklungen und Trends, die auf den Unternehmenserfolg einwirken, vorwegnehmen kann, desto weiter in die Zukunft lässt sich auch planen. Wichtige Einflussfaktoren sind neben der eigenen wirtschaftlichen Lage des Unternehmens die allgemeine Wirtschaftslage, spezifische Marktbedingungen, technologische Entwicklungen, politische und gesellschaftliche Trends, Entwicklungen an den Finanzmärkten sowie Kundenverhalten. Während manche Einflussfaktoren relativ leicht erkennbar sind, lassen sich andere nur schwer antizipieren. So kann man zum Beispiel anhand demographischer Daten das Fachkräfteangebot recht gut über einen längeren Zeitraum hinweg prognostizieren. Das Konsumverhalten von Kunden dagegen etwa lässt sich aufgrund seiner steten Wankelmütigkeit kaum mittel- oder langfristig zuverlässig vorhersagen.

Voraussetzung dafür, Zukunftstendenzen halbwegs genau prognostizieren zu können, ist eine möglichst umfassende Informationslage. Bei der Beschaffung und Auswertung von Markt- und Wettbewerbsinformationen sind Großunternehmen mit ihren finanziellen und personellen Ressourcen sicherlich kleineren Unternehmen gegenüber im Vorteil. Aber auch diese sollten alle ihnen zur Verfügung stehenden hochwertigen Informationsquellen, wie beispielsweise Branchenverbände oder spezialisierte Ämter und Behörden (in Deutschland z.B. das Statistische Bundesamt, die Bundesagentur für Arbeit oder die Bundesagentur für Außenwirtschaft), optimal nutzen.

Grundsätzlich gilt, dass Unternehmen, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen in sich rasch verändernden Industriezweigen agieren, notgedrungen kurzfristig planen müssen, d.h. einmal oder sogar zweimal jährlich. Dabei sollten alle Phasen des Planungsprozess durchlaufen werden von der Formulierung einer Unternehmensvision über eine gründliche Umfeldanalyse bis hin zur Erarbeitung von strategischen Zielen und Maßnahmen sowie der Aufstellung von Budgets und Zeitplänen. Etablierte Großunternehmen mit stabilem Wirtschaftsumfeld auf der anderen Seite können durchaus längerfristig planen.

Die Erfahrungen unsere Kunden zeigen, dass in solchen Fällen Planungszyklen von drei bis fünf Jahren angemessen sind. Jedoch sollte die jeweilige Strategie in regelmäßigen Abständen überprüft und, wenn nötig, den veränderten internen und externen Bedingungen angepasst werden. In welchen Intervallen geprüft wird (vierteljährlich, halbjährlich, jährlich), hängt wiederum von den individuellen Gegebenheit des Unternehmensumfeldes ab. Zumindest aber sollte vor Beginn eines neuen Fiskaljahres geprüft werden, ob die für das kommende Jahr anvisierten Aktionspläne, die dazu dienen die langfristige Strategie zu realisieren, noch aktuell und sinnvoll sind und die notwendigen Ressourcen und finanziellen Mittel zu deren Umsetzung bereitstehen. Regelmäßiges Überprüfen und gegebenenfalls Modifizieren einer Strategie sind hier sicherlich der Schlüssel zum Erfolg.