Wie schafft man "Strategic Alignment"?

Mittwoch, 05. September 2012

Die Überbrückung der Kluft zwischen Strategieentwicklung und -umsetzung stellt für viele Unternehmen eine der größten Herausforderungen dar. Studien zeigen immer wieder, dass sich Unternehmen, ungeachtet der Qualität ihrer Strategie, schwer damit tun, diese erfolgreich umzusetzen und die erhofften Wettbewerbsvorteile tatsächlich zu realisieren. Der wahrscheinlich wichtigste Treiber für eine erfolgreiche Strategieumsetzung ist das sogenannte „Strategic Alignment“, d.h. die konsequente Ausrichtung des Handelns der Abteilungen und Mitarbeiter an der Unternehmensstrategie. Es gilt, sie alle auf eine gemeinsame Linie einzuschwören, um dadurch die Gesamtperformance des Unternehmens zu verbessern. Strategic Alignment ist somit, wie Akpan und Carter (2007) trefflich formuliert haben, im Grunde nichts anderes als „Teamarbeit“.  

Wie lässt sich diese Zusammenarbeit am besten unterstützen? Hier sind einige Erfolgsfaktoren, die Ihnen dabei helfen können, Ihre Mitarbeiter erfolgreich auf eine neue Unternehmensstrategie einzuschwören:

  • Vermittlung der Unternehmensstrategie auf allen Ebenen
    Effektive Kommunikation  ist das Herzstück des Strategic Alignments. Es versteht sich eigentlich von selbst, dass Mitarbeiter eine neue Unternehmensstrategie nur dann erfolgreich umsetzen können, wenn sie sie auch verstanden und verinnerlicht haben. Idealerweise sollte ein Kommunikationsplan erstellt werden, der eine regelmäßige und für jedermann verständliche Vermittlung der Unternehmensstrategie auf unterschiedlichen Kanälen vorsieht. Auf diese Weise werden Mitarbeiter immer wieder daran erinnert, dass das Unternehmen eine neue Richtung einschlägt. Kommunikation ist dann erfolgreich, wenn jeder Mitarbeiter bzw. jede Abteilung in der Lage ist, die folgenden Fragen zu beantworten:

    In einfachen Worten, was ist die Unternehmensstrategie?
    Wie kann ich in meiner Position konkret zur Umsetzung der Strategie beitragen? Was muss ich anders machen als bisher?
    Wie wird gemessen, ob die gesteckten Ziele erreicht wurden?
    Welches sind meine individuellen Ziele? Wie werden sie gemessen?
    Welche Form der Anerkennung gibt es, wenn Ziele erreicht oder übertroffen werden?

  • Mitarbeiterpartizipation
    Menschen lassen sich leichter motivieren und mobilisieren, wenn sie das Gefühl haben, in Prozesse und Entscheidungen eingebunden zu sein, anstatt diese von oben aufgedrückt zu bekommen. Mitarbeiterpartizipation ist eines der effektivsten Mittel, Strategic Alignment zu erzeugen. Mitarbeiter sollten sowohl in der Phase der Strategieentwicklung als auch bei der Frage, wie die Strategie praktisch umzusetzen ist, beteiligt werden. Dadurch wird ihnen Gelegenheit gegeben, ihre Sichtweisen und Erfahrungen an der „Frontlinie“ einzubringen und damit zur Feinabstimmung der Strategie beizutragen. Je höher die Partizipation der Mitarbeiter im Vorfeld, desto größer wird deren Bereitschaft sein, die Strategie im Arbeitsalltag tatsächlich umzusetzen.

  • Koppelung von individuellen Zielen an die Unternehmensstrategie
    Ebenfalls motivationsfördernd wirken finanzielle Anreize. Es ist daher sehr ratsam, individuelle Zielvereinbarungen stets an den Unternehmenszielen auszurichten. Auf diese Weise werden Mitarbeiter dazu angespornt, kontinuierlich ihren persönlichen Beitrag zum  Erreichen der Unternehmensziele zu leisten. Neben der Anerkennung und Belohnung von Einzelleistungen sollten auch Gemeinschaftsleistungen von Teams und Abteilungen entsprechend gewürdigt werden, beispielsweise durch Partys oder gemeinsame Ausflüge.

  • Personalmanagement muss Strategie widerspiegeln
    Ein weiterer Erfolgsfaktor zur Erreichung von Strategic Alignment ist das strategische Personalmanagement. Ziel sollte es sein, Mitarbeiter einzustellen, weiterzubilden und zu halten, die aufgrund ihrer Fähigkeiten und Kompetenzen bestmöglich zur Unternehmensstrategie passen. Verfolgt ein Unternehmen beispielsweise eine Forschungs- und Entwicklungsstrategie, müssen die notwendigen Ressourcen bereitgestellt werden, um mehr hochqualifizierte Fachkräfte anzuwerben und ihnen attraktive Arbeitsbedingungen zu bieten.

  • Klare Rollenverteilung
    Jeder an der Strategieumsetzung Beteiligte sollte sich darüber bewusst sein, für welche Entscheidungen und Maßnahmen er oder sie verantwortlich ist und für welche nicht. In kleinen Unternehmen mit einer überschaubaren Anzahl an Mitarbeitern mag dies noch relativ offensichtlich sein. In global agierenden Konzernen mit vielen verschiedenen Divisionen stellt sich die Situation hingegen ganz anders dar. Hier muss es einen zentralen Anlaufpunkt für den gesamten Plan geben und die Verantwortlichkeiten für die verschiedenen strategischen Initiativen müssen eindeutig geregelt sein.

  • Freier Informationsfluss über Abteilungsgrenzen hinweg
    Silodenken ist ein großer Hemmschuh für Strategic Alignment. Es ist wichtig, dass ein horizontaler Informationsaustausch zwischen Teams und Abteilungen stattfindet. Dies kann beispielsweise in Form von monatlichen Meetings erfolgen, in denen über Fortschritte berichtet wird und in denen gemeinsame Lösungsansätze für aufgetretene Probleme erarbeitet werden. Ebenfalls von Bedeutung ist das schnelle Weiterleiten von Informationen über Veränderungen im externen Geschäftsumfeld. Dies muss sowohl horizontal als auch vertikal von oben nach unten und von unten nach oben möglich sein. Der Einsatz von Strategiesoftware kann hier eine wertvolle Hilfestellung leisten.

  • Überwachung des Fortschritts bei der Umsetzung dieser Ziele
    Regelmäßiges Monitoring ermöglicht es, bei Abweichungen in der Umsetzung rechtzeitig Kurskorrekturen vorzunehmen. Neben ausführlichen Reports, sollten hier die klassischen Instrumente der Unternehmenssteuerung wie Balanced Scorecard und Dashboards zum Einsatz kommen. Letztere geben den aktuellen Performance Status übersichtlich auf einen Blick wieder und eigenen sich daher bestens dazu, rasche taktische Entscheidungen zu treffen.

 

Die Ausrichtung aller Abteilungen und Mitarbeiter an der Unternehmensstrategie ist keine einmalige Angelegenheit, sondern ein fortlaufender Prozess, der stetiger Führung, Kommunikation und Kontrolle bedarf. Darüber hinaus benötigt es diplomatisches Geschick im Umgang mit unterschiedlichen Persönlichkeiten. Dies ist umso wichtiger, sollte eine neue Strategie Nachteile für die Belegschaft (z.B. in Form von Standortschließungen und Entlassungen) mit sich bringen. Hier ist viel Fingerspitzengefühl und Change Management gefragt. Strategic Alignment, insbesondere in großen Unternehmen, ist keine einfache Aufgabe. Es ist jedoch unersetzlich, um den einmal eingeschlagenen Weg auch erfolgreich gehen zu können.

 


 

Literatur

Akpan, E.O., & Carter, R. (2007). Strategic alignment: The business imperative for leading organizations. Mustang, OK: Tate Publishing.