Jan Borchers, Co-Founder der SOLYP Informatik GmbH und dort verantwortlich für den Bereich Produktentwicklung, im Gespräch über das neue Reporting-Tool JOOX

Dienstag, 13. Dezember 2016

Jan Borchers steckt als Mastermind hinter dem neuen SOLYP3-Tool JOOX, das die Datenausgabe in PowerPoint revolutioniert. Der Liebhaber schneller Motorräder, Hobbykoch und bekennende Heimkino-Fan erklärt im Interview, welche Vorteile die Implementierung von JOOX bietet, welche Software-Strategie dahintersteckt und wie es überhaupt dazu kam: "Weil mir der Kragen geplatzt ist."


Frage: SOLYP3 vermag bereits, die Microsoft Office-Suite zu steuern, und erlaubt z.B. die Datenausgabe in PowerPoint. Das funktioniert CI-konform, problemlos und relativ rasch. Was verbessert das neue Reporting-Tool JOOX an dieser Ausgangssituation?

Jan Borchers: Ganz einfach: es arbeitet schneller, sehr viel schneller! Bis jetzt musste ein Anwender eine gute dreiviertel Stunde investieren, wenn er eine 200-seitige PowerPoint-Präsentation erstellen wollte. Einer unserer Kunden muss pro Quartal 80 solcher Bände erzeugen. Man kann sich leicht ausrechnen, wie lange er daran sitzt. Und wie oft er sich einen Kaffee holen gehen kann, denn solange PowerPoint läuft, kann er seinen Rechner für nichts anderes nutzen. Deshalb haben wir bei JOOX die Ausgabegeschwindigkeit extrem erhöht. Unsere Kunden können jetzt Ferrari fahren! 200 Seiten PowerPoint kann man jetzt in sechs bis sieben Sekunden generieren. Wir haben Tests gemacht, bei denen wir 10.000 PowerPoint-Folien mit 4.000 eingebetteten Excel-Tabellen erzeugt haben  in knapp 25 Sekunden. Das kommt in der Praxis natürlich nicht vor, aber es zeigt die enormen PS, die in JOOX stecken.


Wie kommt es zu dieser Leistungsexplosion?

Wir haben die gesamte Datenumwandlung vom Client auf den Server verlegt. Früher wurde der Client von SOLYP3 quasi ferngesteuert, indem PowerPoint aufgerufen und ein Visual Basic Script ausgeführt wurde. Jetzt arbeitet JOOX auf dem Unternehmensserver extrem effizient, braucht wenig Speicher und hinterlässt nur einen kleinen Footprint. Der Anwender erhält nach wenigen Sekunden sein Endprodukt, die PowerPoint-Datei. Und das führt zu einem zweiten wesentlichen Vorteil: Der Rechner des Anwenders ist nicht länger durch die Fernsteuerung blockiert. Wie gesagt waren das bei manchen Kunden eine halbe oder eine dreiviertel Stunde. Jetzt fällt mit JOOX nicht nur die Wartezeit weg, sondern auch die Ausfallzeit des Clients.


Das dürfte bei machen Kunden und Interessenten die Frage aufwerfen, warum Sie sich mit der Beschleunigung so viel Zeit gelassen haben ...

Ehrlich gesagt, das lag nicht an uns, sondern an Microsoft. Bis Office 2003 handelte es sich bei der MS-Office-Suite um ein proprietäres System, zu dem wir keinen Zugang hatten. Uns blieb nichts anderes übrig, als jeden einzelnen Client fernzusteuern  und auf denen liefen manchmal noch unterschiedliche Office-Versionen, sodass die Reports manchmal völlig anders aussahen. Wo hier ein Schatten war, fehlte er dort usw. Und wenn Microsoft eine neue Office-Version herausbrachte, mussten wir der wieder hinterher programmieren. Da ist mir schon manchmal der Kragen geplatzt!


Was passierte dann?

Microsoft hat sich bewegt und ab Office 2007 sein System geöffnet. Das Ergebnis sind jetzt pptx-Dateien, die ISO 29500 und ECMA-376 gehorchen, d.h. hier wird verbindlich und offen festgelegt, wie sich pptx-Dateien zusammensetzen, z.B. aus Bildern, Grafiken und Videos, und wie diese abgespeichert werden. Microsoft selbst bildet diese Standards in seiner .NET-Programmierplattform ab, benutzt aber eigene MS-Namen anstelle der normierten. Und wir reden hier von 15.000 Seiten Normvorschriften allein für den ISO-Standard. Sie können erahnen, welche Arbeit da drinsteckt, allein den MS-Namensraum vieler tausend Objekte in JAVA zu übersetzen, damit wir aus unseren Anwendungen PowerPoint ohne eine einzige Einschränkung erzeugen können. Davor haben bislang alle kapituliert  bis auf JOOX! Denn alle Funktionen, die die .NET-Plattform bietet, finden sich auch in JOOX wieder. Damit ist JOOX der einzige JAVA-Port für das .NET-Framework. Gleichzeitig fungiert JOOX als JAVA-API, das den ISO- und ECMA-Standards gehorcht.


Das bedeutet in der Praxis?

Alles, was Microsoft mit der MS-Office-Suite macht, können wir jetzt auch in JAVA. Weil JOOX eins zu eins das gleiche Wording wie .NET benutzt. In der Größenordnung, von der wir hier sprechen, ist solch eine Leistung nicht zu unterschätzen ...


Mit einer ISO-Standardisierung verbinden Kunden häufig eine gewisse Langlebigkeit der Anwendung. Trifft das auch auf JOOX zu? Provokant gefragt: JOOX mag die Zukunft sein  aber für wie lange?

Da kann ich genauso antworten: JOOX wird es auch noch geben, sollte die MS Office-Suite mal vom Markt verschwinden. JOOX ist neutral nach den genannten Standards definiert und damit ein extrem nachhaltiges Software-Investment, das auch andere standardisierte Ausgabeformate ansteuern kann. Für die nähere Zukunft ist jedoch eines viel wichtiger: JOOX ist keinem Versionswechsel beim Client unterworfen. Die Reports sehen immer und bei jedem gleich aus, einerlei mit welcher MS-Office Version er oder sie arbeitet. JOOX ist dabei vor- und rückwärts kompatibel, d.h. auch was mit dem neuesten MS-Office-Kit erzeugt wurde, kann mit einem alten noch problemlos dargestellt werden, wenn auch vielleicht nicht in sämtlichen neuen Finessen. Das stellt für unsere Anwender einen ganz wesentlichen Vorteil dar: Sie können ihre jetzige Systemumgebung erst einmal so belassen, wie sie ist.


Zum Schluss eine Frage, die heutzutage mehr denn je auf den Nägeln brennt: die nach der Sicherheit. Bietet JOOX auch in dieser Hinsicht Verbesserungen?

Ganz eindeutig, ja. Bis jetzt erhielt unser Client eine VBS-Datei, die seinen Report auf seinem eigenen Rechner erzeugte. D.h. auf seinem Computer wurde ein Visual Basic Script ausgeführt  ein kleines Programm, das jederzeit als Einfallstor für Viren und andere Schadprogramme dienen kann. Deshalb verbieten moderne Browser wie Google Chrome mittlerweile den Download von Scripts und schließen diese Tore. Mit dem Versand einer PowerPoint-Datei an unseren Nutzer fällt dieses Sicherheitsrisiko weg, da das produzierte PowerPoint keine aktiven Komponenten erhält und ein reines Darstellungsformat ist.


Wir haben jetzt sehr viel über die höhere Geschwindigkeit, die besseren Sicherheitsstandards und die Versionsunabhängigkeit von JOOX gesprochen: Vorteile, die rational gewiss nachzuvollziehen sind. Aber wie fühlt sich JOOX an? Wie wird es das Anwendererlebnis von SOLYP3 verändern?

Ich bin mir sicher, JOOX wird sehr viel Freude machen! Sie haben Recht: Geschwindigkeit ist eine technische Komponente. Sie darf kein Selbstzweck sein. Die enorme Schnelligkeit von JOOX aber macht uns freier und agiler in der Anwendung, auch mobiler, ortsunabhängiger. Als Strategieverantwortlicher kann ich mir z.B. den Report einer Geschäftseinheit mal eben anschauen  und zwar den ganzen Band, einfach weil er in ein paar Sekunden auf meinem Rechner ist. Ich muss mich nicht mehr über die Vorschaufunktion auf ein paar Charts beschränken. Ich kann einfach mal kurz in das ganze Dokument schauen. Und da JOOX die fertigen PowerPoint-Dateien verschickt, kann ich meinen Report auch auf einem Tablet checken. Es ist ja nur noch ein Reader notwendig! Das funktioniert im Zug, auf dem Flughafen oder in der Kaffeepause. Durch JOOX sind Meetings und Strategiegespräche auf einmal an vielen Orten möglich ... vielleicht an welchen, die strategischen Ideenreichtum noch mehr fördern als das eigene Büro. Ich bin überzeugt, dass JOOX mehr verändern wird, als wir bislang annehmen.