19
.
October 2017
6 Minuten

Woran messen Sie Erfolg?

Tipps zur Auswahl von Key Performance Indicators (KPIs)

Welche KPIs sind relevant? (BIld: FGC/shutterstock.com)

Was schätzen Sie: Wie viele Key Performance Indicators gibt es? 300? 500? Weit gefehlt! Es sind sage und schreibe 17.000! Zumindest wenn man dem Autoren des Buches KPI Mega Library Glauben schenken will. Bei dieser großen Anzahl drängt sich einem die Frage auf, welche Leistungsindikatoren man zur strategischen Fortschrittskontrolle am besten zugrunde legen sollte. Dies lässt sich nicht pauschal beantworten. Zu groß sind die Unterschiede von Branche zu Branche und von Unternehmen zu Unternehmen.

Hier sind einige Tipps, was Sie bei der Auswahl von KPIs grundsätzlich beachten sollten:

Relevanz
KPIs sollten systematisch aus der Unternehmensstrategie abgeleitet werden. Identifizieren Sie daher zunächst die kritischen Erfolgsfaktoren, die zur Erreichung Ihrer strategischen Unternehmensziele ausschlaggebend sind. Typische Beispiele für kritische Erfolgsfaktoren sind die Qualität der Kundenbeziehungen, die Auftragsabwicklungsgeschwindigkeit oder die Produktqualität. Anschließend definieren Sie für jeden der kritischen Erfolgsfaktoren einen oder mehrere Schlüsselindikatoren, so dass Sie dessen Erfüllungsgrad messen und beurteilen können. Eine häufig verwendete Kennzahl etwa zur Ermittlung der Auftragsabwicklungsgeschwindigkeit ist die Durchlaufzeit.

KPIs helfen Ihnen also dabei, zu messen, was für Ihren Unternehmenserfolg wirklich wichtig ist. Oder andersherum gesagt: Alles, was für die Erreichung Ihrer strategischen Ziele irrelevant ist, braucht auch nicht erfasst zu werden.

Zielgruppen- und zweckorientiert
Kennzahlen, die für eine Abteilung von Bedeutung sind, müssen nicht zwingend auch für andere eine Rolle spielen. KPIs sollten daher für die einzelnen Funktionsbereiche innerhalb des Unternehmens stets individuell ermittelt und zusammengestellt werden. Wichtig ist jedoch dabei, dass sie mit den übergeordneten Schlüsselkennzahlen des Unternehmens in Einklang stehen (Kaskadierungseffekt).

Weniger ist mehr
Die Anzahl der KPIs muss überschaubar bleiben. Die verantwortlichen Manager sollten in der Lage sein, auf einen Blick zu erkennen, ob sich das Unternehmen auf dem angepeilten Kurs befindet. Dies kann beispielsweise mittels Dashboards geschehen. Wie erwähnt, konzentrieren Sie sich bei der Auswahl auf das wirklich Wichtige. Die Erfahrung zeigt, dass sieben bis zehn KPIs für die meisten Unternehmen ausreichend sind.

Verständlichkeit
Die KPIs müssen eindeutig und einfach definiert werden. Alle Mitarbeiter, die die KPIs durch ihre Arbeitsleistung beeinflussen, sollten verstehen können, was genau gemessen wird, warum es gemessen wird und wie es gemessen wird. Wichtiger noch, sie sollten in der Lage sein, das Messergebnis richtig zu interpretieren und bei Bedarf korrigierende Maßnahmen abzuleiten.

Steuerbarkeit
Mitarbeiter können die Performance von KPIs nur dann verbessern, wenn sie diese durch Maßnahmen oder Verhalten auch selbst beeinflussen können. Fragen Sie sich daher, ob der/die Verantwortliche die nötigen Befugnisse und den entsprechenden Einfluss besitzt, messbare Veränderungen der Leistungsgröße herbeizuführen.

Ausgewogene Mischung aus Spät- und Frühindikatoren
KPIs sollten einen Vergangenheits-, Gegenwarts- und Zukunftsbezug ermöglichen. Streben Sie daher eine ausgewogene Mischung aus Spät- und Frühindikatoren an. Mit Spätindikatoren (Ergebniskennzahlen) sind finanzielle Kennzahlen gemeint, die vergangene Leistungen dokumentieren. Sie zeigen im Nachhinein an, ob das Unternehmen seine Ziele erreichen konnte. Beispiele für Spätindikatoren sind der Umsatz, ROI oder der Markanteil.

Frühindikatoren (Leistungstreiber) dagegen beschreiben treibende Faktoren für zukünftige Leistungen. Sie messen jene Vorgänge, die heute sicherstellen sollen, dass das Unternehmen morgen erfolgreich ist. Sie helfen, Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen und korrigierend einzugreifen und gegenzusteuern. Ein häufig zitiertes Beispiel für einen Leistungstreiber ist die Fehlerquote, die Aufschluss über die Entwicklung der Qualität innerhalb des Unternehmens gibt. Eine Veränderung der Fehlerquote kann sich mittel- oder langfristig auf das Unternehmensergebnis auswirken. Nimmt die Fehlerquote etwa zu, sinkt die Qualität der Produkte und Dienstleistungen. Dies wiederum kann zu rückläufigen Verkaufszahlen und damit Gewinnverlusten führen.

Während Spätindikatoren also einen Blick in den Rückspiegel ermöglichen, erlauben Frühindikatoren Prognosen über die Zukunft.

Quantifizierbarkeit
KPIs müssen in Zahlen ausgedrückt werden können. Dadurch sind sie eindeutig miteinander vergleichbar und Entwicklungstendenzen nach oben oder unten fallen sofort ins Auge. Das heißt jedoch nicht, dass ausschließlich finanzielle Kennzahlen ermittelt werden sollten. Auch weiche Faktoren wie Kundenzufriedenheit lassen sich messen, indem man beispielsweise die Anzahl der Kundenbeschwerden zugrunde legt.

Zuverlässigkeit
Stellen Sie sicher, dass die zu liefernden Daten in sich konsistent und jederzeit unter den gleichen Bedingungen reproduzierbar sind.

Aktualität
Um KPIs effektiv steuern zu können, ist eine regelmäßige Berichterstattung notwendig. Achten Sie daher bereits bei der Auswahl der KPIs darauf, dass sich diese ohne großen Aufwand bestenfalls automatisiert ermitteln lassen. Um möglichst agil agieren zu können, ist es zudem ratsam, sich auf solche Kennzahlen zu konzentrieren, die sich in relativ kurzen Zeitabständen (täglich, wöchentlich, monatlich) erheben lassen. Kennzahlen, die nur jährlich ermittelt werden können, sind dagegen weniger gut geeignet.



KPIs stellen ein wichtiges Instrument des strategischen Controllings dar, vorausgesetzt sie werden sorgfältig mit Bezug auf die Unternehmensstrategie ausgewählt, finden die Akzeptanz der Mitarbeiter und werden stetig auf ihre Aktualität hin überprüft. Sie ermöglichen die Steuerung, Kontrolle, Koordinierung und Optimierung von Prozessen, schaffen Transparenz und leiten zum Handeln an. Die Auswahl der KPIs ist eine wichtige Führungsaufgabe, die Sie keinesfalls unterschätzen sollten.

WEITERE Artikel zum Thema
14
.
November 2019
6 Minuten

Feedback geben und nehmen – was ist die größte Kunst dabei?

In allen Führungsprogrammen findet sich „Feedback geben und nehmen“ wieder. Die Umsetzung in der Praxis ist dagegen oft wenig konsequent. Dabei ist Feedback eines der wirksamsten Instrumente der Führungskräfteentwicklung.

Artikel lesen
18
.
July 2019
4 Minuten

Fördern und Entwickeln der Persönlichkeit von Menschen

Menschen zu entwickeln und zu fördern ist ein Plädoyer gegen die Veränderung der Persönlichkeit von Menschen. Es ist daher eine der wichtigsten Aufgaben von Führungskräften, Menschen so zu nehmen, wie sie sind.

Artikel lesen
28
.
March 2019
12 Minuten

Marktsegmentierung – Erfolgsfaktor in der Strategiearbeit

Welchen Nutzen bietet eine saubere Markt-/Kundensegmentierung für die strategische Unternehmensentwicklung? Wie lässt sich eine Segmentierung pragmatisch durchführen? Im folgenden Beitrag geben wir Ihnen einige Denkanstöße aus unserer Erfahrung mit zahlreichen mittelständischen Familienunternehmen.

Artikel lesen
22
.
October 2018
4 Minuten

Strategische Planung: Balance von Daten und Debatte

In vielen Unternehmen bleibt die strategische Planung hinter ihren Möglichkeiten zurück. Wichtiger Bestandteil eines effektiven Prozesses ist eine ausgewogene Balance von Daten und Debatte. Vier praktische Ansätze aus unseren BCG-Kundenprojekten können helfen.

Artikel lesen

Das Wichtigste zu Strategy & Leadership 4.0
monatlich direkt in Ihrer Inbox

Newsletter abonnieren