Operative vs. strategische Planung? Kein entweder oder, sondern sowohl als auch

Freitag, 29. Juni 2018

Ein Gastbeitrag von Moritz Weissman
 

Von mittelständischen Unternehmern höre ich oft, dass sie vor lauter Aufgaben im operativen Geschäft viel zu selten dazu kämen, um strategische Überlegungen zu treffen, um zu reflektieren und kreativ zu sein, um letztlich ihr Unternehmen vorwärts zu bringen. Andere vermischen schlicht und einfach die Planungshorizonte. Dabei sind operative und strategische Planung keine Gegenpole, die sich gegenseitig ausschließen!

In vielen Unternehmen liegt hier jedoch ein unterschiedliches Verständnis vor – die Unterschiede beziehen sich vor allem auf den Umfang der Planung, die Inhalte (Was ist Planung? Was ist „Tagesgeschäft“?) und den zeitlichen Horizont. Häufig werden auch unterschiedliche Begriffe im Bereich der Planung verwendet, so fallen neben „Planung“ auch „Strategie“, „Leitbild“, „Business-Plan“, etc. Meistens geht es den Unternehmern darum, in einer gewissen Struktur Ziele zu fixieren (in der Hoffnung damit erfolgreicher zu sein) und diese vor dem Hintergrund des jeweiligen Kontextes, wie z.B. Marktumfeld, Leistungsfähigkeit der Organisation, etc., einzuordnen.

Umfang, Inhalte und Vernetzung der Planungsebenen


Die operative Planung gibt vor allem die Struktur und den Fokus bei der Erreichung der jährlichen Ziele vor und hilft dabei, Abweichungen zu erkennen um darauf zu reagieren. Auf dieser Ebene der Unternehmensplanung, die einen hohen Detailgrad aufweist, werden die strategischen Ziele mit umgesetzt und kontrolliert, während die strategische Planung, die fünf bis sieben Jahre umfassen sollte, Orientierung bei grundlegenden Entscheidungen gibt.
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Grafik: Vom inkrementellen Management zur strategischen Führung

Es geht also um eine zeitliche Abfolge und die Vernetzung der beiden Planungsebenen: Unternehmer sollten eine Mehrjahres-Strategie entwickeln, diese hinsichtlich der Frage „Wie erreichen wir die strategischen Ziele?“ operationalisieren und sich schließlich konkrete jährliche Ziele unter Berücksichtigung von Budgets setzen.

Lässt sich in der VUKA-Welt noch irgendetwas planen?


Was die Planung schwierig macht und Unternehmer oft ins Strudeln geraten lässt: In volatilen Zeiten verändern sich die Anforderungen an Planung. Die Welt ist VUKA geworden – volatil, unsicher, komplex, ambiguitiv, also mehrdeutig. Nicht mehr nur die steigende Vernetzung der Welt, welche die Geschwindigkeit der Veränderungen zunehmen lässt, macht uns zu schaffen, sondern auch das hohe Maß an Unberechenbarkeit und die schwierige Interpretierbarkeit vieler Entwicklungen.

Viele hinterfragen daher den Sinn der Planung, denn warum sollte man überhaupt planen, wenn man nicht weiß was morgen ist? Dem möchte ich entgegnen, dass Planung den Kern einer jeden Führungstätigkeit darstellt und auch morgen weiterhin sinnvoll ist. Das Verständnis von Planung muss sich jedoch aus meiner Sicht ändern: Einmal gefasste Pläne sollten nicht in allen Einzelheiten heilig sein, sondern immer wieder auch hinterfragt und angepasst werden. Und je schwieriger die Planung wird, umso wichtiger wird die Vorbereitung.

Wenn Pläne konkrete Handlungsabsichten beschreiben und als Orientierung, z.B. um wichtige Entscheidungen zu treffen, gesehen werden, spielen sie auch und gerade in der agilen Welt eine wichtige Rolle. In der täglichen (operativen) Arbeit bedeutet das:

  • Denken Sie bei der Planung in Szenarien.
  • Setzen Sie (operative) Fokus-Ziele für einen überschaubaren Zeitraum (z.B. mit Hilfe der OKR-Logik).
  • Messen Sie die Ziel-Erreichung.
  • Reagieren Sie auf Abweichungen und justieren Sie nach.


Bei der Strategieumsetzung kann die Methode der Objective & Key Results (OKR) hilfreich sein. Objectives beschreiben den in der Zukunft zu erreichenden Zielzustand, während Key Results konkrete, messbare Schlüsselergebnisse auf dem Weg zur Zielerreichung beschreiben. Dabei brechen OKRs die übergeordneten strategischen Ziele des Unternehmens auf alle Hierarchiestufen der Organisation herunter und stellen gleichzeitig sicher, dass jedes einzelne Ziel auf die übergeordnete Unternehmensvision einzahlt.

So gehen strategische und operative Planung idealerweise Hand in Hand und stärken die Zukunftsfähigkeit von Ihrem Unternehmen.



Über den Autor

3102 moritz weissman webMoritz Weissman ist geschäftsführender Gesellschafter der Weissman & Cie. GmbH & Co. KG. Er hat die auf Familienunternehmen spezialisierte Unternehmensberatung von seinem Vater Prof. Arnold Weissman übernommen. Mehr Informationen finden Sie unter www.weissman.de.